Montag, 7. Dezember 2009

If you´ve lost your faith in love and music, then the end won´t be long.

Man hält sich eben an dem fest, was gerade da ist. Manche Menschen suchen Ihre Kaffeetasse in den Büros ihrer Kollegen, und all das bekommt nur allzu leicht einen manisch verzweifelten Anstrich, was dann ein gewisses Kontingent an irrationalem Mitleid in mir freisetzt. In meiner Lieblingsserie Mad Men (das macht mich eindeutig interessanter, als zu behaupten, meine Lieblingsserie sei Gossip Girl oder Grey`s Anatomy, richtig?) rauchen die Charaktere eigentlich die ganze Zeit. Ja, die schönen alten 60er, als Rauchen noch zum guten Ton gehörte. Dabei sieht es immer so aus, als hielten sie sich mehr an ihren Zigaretten fest als dass sie diese rauchten, was dann wiederrum den dringend Wunsch nach einer Lucky Strike (It‘s Toasted) in mir auslöst und gleich anschließend die Frage aufwirft: Wo ist der Gott, der uns liebt, ist der Mensch, der uns traut, ist die Flasche, die uns wärmt? (– und ja, ich befinde mich immer noch in einer verlängerten Element of Crime Phase und komme bei meinem Umfeld langsam an eine Grenze, wo stille Belustigung in offene Ungeduld umschlagen will.). Am vergangenen Mittwoch war ich zur Abwechslung beim Konzert von Peter Doherty. Ich wette, dass 90% aller Männer im Publikum wenigstens ab und an gern so wären wie er (vielleicht ohne die ganz harten Drogen) und 95% aller Frauen im Publikum ein Helfersyndrom haben. Wir Mädels schauten dem guten Peter dann auch mit glänzenden Augen dabei zu, wie er auf der Bühne umher stolperte und wankte, wobei sicher fast jede von uns dachte "Er braucht nur die richtige Frau, ich würde ihn genug lieben, um ihn retten zu können.". Als ob man irgendjemanden retten könnte.

Gestern versuchte ich mal wieder einen alten Traum von mir wahrzumachen, und den ganzen Tag im Schlafanzug zwischen Sofa und Bett zu verbringen, doch leider kamen mir dann ein Heißhunger auf Grießbrei (jaja) und der Mangel an Milch dazwischen, so dass ich doch kurz vor die Tür musste. Vor der Tür war es dann sehr kalt und dunkel, außerdem hatte ich ganz allgemein das Gefühl sehr schlecht zu sehen (nicht auszusehen, Achtung!). Auf meinem Spaziergang (a.k.a. das neue Hobby) geriet ich kurz ins Weihnachtsoratorium von Herrn Bach und abgesehen von ein paar (z.T. wirklich ganz wunderbaren) Telefonaten sprach ich den ganzen Tag über mit keinem Mensch auch nur ein Wort von Angesicht zu Angesicht und kurz fühlte ich mich gänzlich von allem entkoppelt. Das war gleichzeitig ein angenehmes, dann aber doch auch ein etwas beängstigendes Gefühl. Ich frage mich nun, ob man selbst überhaupt merkt, ab wann man wirklich wunderlich wird. Ist die Tatsache, dass man auf einem Holzfußboden mit ziemlich vielen Menschen um einen herum einschläft in diesem Sinn dann eigentlich schon ein erstes Indiz für den unaufhaltsamen Verfall der sozialen Sitten? Ich weiß es nicht. Zudem erschließt sich nicht mal mir selbst der Sinn des heutigen Beitrags. Aber muss denn wirklich immer alles einen Sinn haben?

Dienstag, 1. Dezember 2009

Don´t look back in anger.

Wenn ich erst Geburtstag hatte, ist das Jahr immer so gut wie rum. So auch jetzt. Plötzlich ist der 01. Dezember, und ich fange an, darüber nachzudenken, wer sich dieses Weihnachten eine Karte für den unsichtbaren Kamin verdient hat. Wenn ich fertig bin mit überlegen, ist meistens schon Silvester und damit auch Zeit zurückzublicken – was ja im Grunde eh mein liebstes Hobby ist. Stand up beside the fireplace take that look from off your face, you ain´t ever gonna burn my heart out….

Rückblick. Erstaunlich, dass ich mir tatsächlich den ersten Tag mit Schnee ausgesucht habe, um mein in Kisten verpacktes Leben einmal quer durch Europa zu kutschieren. Ich bin körperlich ausgelaugt und seelisch am Ende, als ich irgendwo mitten in Frankreich auf einem Parkplatz stehe, und dem kleineren der beiden Hunde dabei zusehe, wie sie erbärmlich vor Kälte zittert. Ich fühle mich in etwa so wie sie (die bezeichnenderweise Juni heißt) gerade aussieht: Hilflos. Verloren. Durcheinander. Überfordert.

Zeitsprung. Der Frühling legt sich in diesem Jahr richtig ins Zeug, der Himmel ist von einem blau, das man fast schon mediterran nennen möchte, die Kulisse gibt sich Mühe, den Anschein von Perfektion zu erwecken. Ich lebe prekär ohne Möbel aber mit einem riesigen Flachbildfernseher und jeder Menge Flaschen in einer Wohnung, die Weltkulturerbe ist – wie ich nicht müde werde, immer wieder zu betonen. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Die winzigen Zahnrädchen, die mein Leben in Bewegung halten, greifen seit einigen Monaten wie von Zauberhand ineinander, alles gelingt, obwohl ich nicht schwindelfrei bin, falle ich nicht ein einziges Mal von dem Drahtseil, das die Verbindung vom alten zum neuen Leben darstellt. Auch wenn ich dem Frieden nicht traue, erfreue ich mich daran.

Im Jetzt. Ist. Alles. Gut. Ein paarmal vom Drahtseil gefallen, aber der Anfang ist ja jetzt auch rum und man ändert sich wahrscheinlich nicht, lernt aber, mit den eigenen Schwächen umzugehen. Zumindest rede ich mir das gerade ein. Die allesverschlingende Besinnlichkeit wird mich wohl eingelullt und milde gemacht haben. Danke 2009.

Donnerstag, 26. November 2009

A new morning - changing weather.

Übergangsjackenwetter ist das beste Wetter, das es gibt. Nachdem der Oktober zum Ende hin so kalt war, erfreue ich mich dieser Tage mit meiner dunkelblauen Kapuzenjacke an einem aprilgleichen November. Ich habe ein neues Hobby: Ich gehe jetzt oftmals in meiner Mittagspause musikhörend schnellen Schrittes spazieren. Da ich multitaskingfähig bin, denke ich gleichzeitig über alles, was mich so beschäftigt intensiv nach, oder ich tanze ein wenig den Weg entlang, je nach Stimmung und Publikum. Mit dem Laufen ist das übrigens so eine Sache, anders als viele andere Dinge nutzt es sich irgendwie nicht ab, nein, es wird mit der Zeit sogar immer besser. Heute lief ich nun also beschwingten Schrittes und recht leichten Herzens die Spree entlang und mir kam ein Gedanke, der mir teilenswert erscheint: Die Momente des wirklichen Glücks sind manchmal recht dünn gesät (wahrscheinlich ist das gut so), besonders wenn man sich in Kleinigkeiten verliert und im Unmöglichen verrennt. Zum Ausgleich dafür gibt es aber ein Gefühl, dass in seiner Schönheit fast noch großartiger ist: Der Augenblick, wenn man merkt, dass der Schmerz endlich nachlassen will und einem eine selbstauferlegte Last von den Schultern fällt. Das ist so wundervoll, wie die Herbstsonne, die einem den den Rücken wärmt oder Sonnenuntergänge vom Bürofenster aus betrachten. So wie jetzt. Genau in diesem Moment!

Donnerstag, 19. November 2009

Bunte Blätter

Die Wege die ich immer gehe, sehen neuerdings jeden Tag anders aus. Von den Trauerweiden und Birken schneit es gelbe Blätter auf den frisch gesäuberten Pfad. Ich folge schnellen Schrittes den Fährten meiner eigenen Augen, immer die Spree rechts oder links von mir. Je schneller ich laufe, desto wärmer wird mir, desto besser scheint es mir zu gehen. Ich knöpfe die Jacke bis ganz oben hin zu, stecke die Hände in die Taschen, ziehe die Schultern hoch, bemerke, dass der Wind mir schon wieder 5-6 Knoten ins Haar gemacht hat und schaue den jungen Schwänen bei ihren Flugübungen zu. Manchmal sieht es gar nicht so aus, als flögen sie, sondern eher, als liefen sie über das Wasser. Meine Befindlichkeit bekommt neuerdings Risse, die ich abends notdürftig versuche mit Ablenkungen und Amüsement zu kitten, was mir mal besser, mal schlechter gelingt. Ich lese Romeo und Julia, Sätze wie gedrechselt und höre Element of Crime, Sätze wie aus Ton geformt. Oft bin ich müde und kann dann doch nur unruhig schlafen, träume wirres Zeug, stehe am Fenster, Herzrasen. Ich glaube, zu wissen was ich will. Und doch. Traue. Ich mich. Oder. Ich mir. Nicht. Wirklich. Selbst. Über den Weg. Vielleicht ist ein Teil von mir auch immer 14 Jahre alt geblieben. Ein mehr als tröstlicher Gedanke.

Dienstag, 17. November 2009

Pärchen

Im Herbst ist man ja nicht mehr so oft draußen. Bei meinen Ausflügen der letzten Tage kamen mir hin und wieder ganz schreckliche Varianten der menschlichen Spezies Pärchen unter, ja, jene, die jedes "ich" durch ein "wir" ersetzen, gehemnisvoll tuscheln und einen vom Bürgersteig drängen, wenn man ihnen entgegen kommt. Widerlich. Hier meine aktuelle Auflistung der Top 5 Orte, an denen Pärchen am aller-lästigsten sind:

- im Kino (!)
- beim Friseur (!!)
- in öffentlichen Verkehrsmitteln (!!!)
- in Ausstellungen (!!!!)
- im Schwimmbad (!!!!!)

Ich hoffe ja immer noch drauf, dass ich in eine Art Winterschlaf falle, und erst Mitte März wieder zu mir komme.

Freitag, 13. November 2009

Wir schulden dem Leben das Leuchten in unseren Augen.

Stop all the clocks, cut off the telephone,
Prevent the dog from barking with a juicy bone,
Silence the pianos and with muffled drum
Bring out the coffin, let the mourners come.

Let aeroplanes circle moaning overhead
Scribbling on the sky the message He is Dead.
Put crepe bows round the white necks of the public doves,
Let the traffic policemen wear black cotton gloves.

He was my North, my South, my East and West,
My working week and my Sunday rest,
My noon, my midnight, my talk, my song;
I thought that love would last forever: I was wrong.

The stars are not wanted now; put out every one,
Pack up the moon and dismantle the sun,
Pour away the ocean and sweep up the woods;
For nothing now can ever come to any good.

W.H. Auden

Meiner Seelenschwester J.D., die mich trotz allem gelehrt hat und immer wieder mit bewundernswerter Kraft und Ausdauer überzeugend belegt, dass wir dem Leben nichts schulden, außer dem Leuchten in unseren Augen.

Mittwoch, 11. November 2009

When it´s all good keep things close at hand - reloaded.

Gestern Abend ereilte auch mich die Nachricht, dass sich Robert Enke das Leben genommen hat. Ich war und bin schockiert. Immer wenn ein Mensch stirbt, behilft man sich mit Allgemeinplätzen und Phrasendrescherei, was das ganze dann auch immer ein Stück weit banalisiert und / oder erträglicher macht. Ich finde, dass erstaunlicherweise Franz Beckenbauer das Ganze am besten auf den Punkt gebracht hat (hört, hört!): "Wenn man eine solche Nachricht bekommt, werden alle anderen Probleme ganz klein."

Natürlich kann man argumentieren, dass täglich tausende von Menschen unter den dramatischsten Umständen ihr Leben verlieren, aber es tut dabei für mich nichts zur Sache, dass Robert Enke in diesem Sinne lediglich einer von Vielen war, und er den Moment und die Art seines Sterbens sogar selbst gewählt hat. Ich bin fassungslos und erschüttert. Das ist einer dieser Momente, in denen man mal eine Zeit lang etwas klarer sieht, und sich fragt, weshalb man eigentlich nicht öfter einfach mal glücklich ist. Traurigerweise bedarf es fast immer eines tragischen Ereignisses von Außen, um festzustellen, dass man sich viel zu oft viel zu sehr nur um sich selbst dreht und mit Kleinigkeiten beschäftigt, die morgen wahrscheinlich schon keinerlei Gewicht mehr haben, uns bis hier hin aber erstmal den Tag versauen. Ständig ist man von irgendetwas genervt: Der Schlange im Supermarkt, den Kollegen mit ihrem sinnentleerten Geschwätz, dem öffentlichen Nahverkehr, einer Liebesbeziehung, die aufgrund von Einseitigkeit entweder keine ist, oder die ihren Glanz durch Gleichgültigkeit bereits verloren hat, dem Fernsehprogramm und dem Wetter natürlich!

Heute ist für mich alles ein wenig anders, denn hin und wieder schaffe ich es dann doch manchmal ein Stück weit raus aus mir selbst und meiner ewigen Egozentrik, und stelle fest, dass das Leben so wie es ist, und mit allem, was dann immer wieder mal dagegen spricht, alles andere als schlecht ist. Wochenaufgabe: Diesen Gedanken festhalten und glücklicher sein.