Donnerstag, 3. März 2011

My private life is an inside joke - no one will explain it to me.

Dieses komische Leben… wahrlich ein Drahtseilakt. Bewegt man sich zu schnell, wird man unaufmerksam und fällt runter, bewegt man sich zu langsam, wird man unsicher und fällt auch runter. Damit habe ich das Rad jetzt auch nicht neu erfunden, denn wie man´s macht, macht man´s eben falsch. Gegen den aufkommenden Kater schnell ein oder zwei oder acht Konterbiere zu trinken, wird einen zwangsläufig in den Alkoholismus führen. Das ist so, da gibt es nichts dran zu rütteln – aufhören ist aber auch keine Option. Noch nicht. Sobald ich weiß, worauf ich hinaus will, sage ich Bescheid.

Ach ja, was ich sagen wollte: Geschichte wiederholt sich. Warum eigentlich? Im Großen, weil der Mensch als solcher dumm ist, vergisst und immer wieder die gleichen Fehler macht. Und im Kleinen sind es genau die gleichen Gründe. Ist das nicht erstaunlich, sollte uns DAS nicht zu denken geben. Ich werde langsam zu einem volkswirtschaftlichen Risiko für meinen Arbeitgeber, vielleicht frage ich mal an, ob man hier gegen die Fehler und Unaufmerksamkeiten verwirrter Mitarbeiter versichert ist. Gerechtigkeit ist übrigens lediglich das Recht der Moral und kann deswegen vernachlässigt werden. Ich verstehe das selbst nicht so richtig, finde es aber irgendwie lustig. Peggy Olson sagt: "One day you're there and there's less of you and you wonder where that part went. If it's living somewhere outside of you and you keep thinking maybe you'll get it back and then you realize it's just gone." und ich habe ein wenig Angst. Schnell... ein Konterbier!

Samstag, 26. Februar 2011

We Love Life II

Mein Atem geht schwer aber gleichmäßig und ich puste weiße Wölkchen in die Luft. Die stellenweise zugefrorene Spree glitzert links von mir in der Sonne, die Wolkenmachmaschine auf der anderen Seite des Flusses gibt ihr Bestes, schafft es aber nicht, ihre Kinder am strahlendblauen Himmel zu platzieren. Gut so! Auf dem 2. Stück meiner Laufstrecke führt es mich eine Weile durch den Wald, wo man die Geräusche der Stadt nicht mehr vernehmen kann. Ich suche den Waldboden nach den ersten Boten des Frühlings ab, und siehe da, trotz der Kälte sprießt es hier und da schon zartgrün unter dem alten Laub. Ich freue mich und das Strahlen wird noch intensiviert, als ich an einem meiner liebsten Plätze in Berlin vorbeikomme. Zwischen der Insel der Jugend und der Stralauer Halbinsel hat man für einen Moment lang einen spektakulären Blick auf den Fernsehturm in der Ferne. Seufzen. Ich laufe weiter und irgendwo auf einer Wiese, am letzten Teilstück der Strecke, auf dem ich immer nochmal sowas wie Gas gebe, haben sich ein paar Druffis mit einer Anlage eingefunden und hören laut elektronische Musik. Einige tanzen, andere liegen wie Eidechsen in der Sonne, ich verschlucke mich kurz und muss fast anhalten, weil ich lachen muss. "Berlin Klischees" denke ich mir, man kann vielleicht nicht alles haben, aber manchmal dann doch fast.

Freitag, 18. Februar 2011

What became of you and I?

Im Fahrstuhl betrachte ich mein Gesicht im Spiegel und stelle fest, dass ich mich gestern Nacht wohl nur unzureichend abgeschminkt habe, denn irgendwie ist die Wimperntusche unter den Augen verschmiert. Beim Versuch, sie zu entfernen, muss ich jedoch herausfinden, dass es sich nicht um Wimperntusche sondern um Augenringe handelt. Februar ist seines Zeichens einer meiner liebsten Monate. Das liegt daran, dass er so kurz ist und dass es sich um die Zeit handelt, in der man bemerken kann, wie es abends Stück für Stück immer ein wenig länger hell ist. Außerdem weiß man, dass man nun nur noch ein paar Wochen lang die Zähne zusammenbeißen muss, bis es endlich, ENDLICH Frühling wird.

Ich habe eine Weile hin und her überlegt, worüber ich diese Woche schreiben könnte, und verschiedene Themen bieten sich an, die aber unvereinbar sind und übergeordnet war dann leider eine tragische Nachricht aus Spanien, die mich Anfang der Woche ereilte. Einschläge kommen näher und man steht Ihnen hilflos gegenüber, was bleibt ist eine von Herzen kommende Mail, vielleicht ein Telefonat, aber was soll man schon sagen, außer dass man da und dass ohne Gesundheit alles Asche ist? Parallel dazu macht man natürlich weiter mit diesem Leben voller Absurditäten, das manchmal droht zu einer Anekdote seiner selbst zu verkommen. Ist das so schlimm? Wahrscheinlich nicht. Man lacht solange man kann, denn was soll man auch tun, weinen? Uns ist klar, dass es dafür sicher früh genug einen Anlass geben wird. Schon gestern Morgen in der Bahn verdrücke ich ein Tränchen bei der Schilderung des Sterbens Karenins in "Die Unerträgliche Leichtigkeit des Seins" und abends bei Band of Horses wird mir auch ganz flau bei "No one´s gonna love you" (more than I do). Am Ende des Hohelied der Liebe (1. Korinther, Kapitel 13) steht: "Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen." und ich finde es beruhigend zu wissen, dass diese Liebe keine romantische sein muss.

Dienstag, 8. Februar 2011

Im Westen nichts Neues.

Momentan scheinen Selbstmörder Hochkonjunktur zu haben – und ich meine das nicht zynisch, mitnichten! Ich sage das eher mit einer gewissen Besorgnis in der Stimme (ach, wenn Sie mich doch nur hören könnten!), was ist denn nur da draußen los? In den letzen 7 Tagen geriet ich auf dem Weg zur Arbeit oder von der Arbeit nach Hause dreimal in die Situation, dass der Ringbahnverkehr aufgrund von Notarzt- und Polizeieinsätzen auf meinem kleinen Teilstück in meinem kleinen Zeitfenster unterbrochen war. Es handelte sich um Einsätze an den Stationen Wedding, Westhafen und Westend. Vielleicht sollte man auf die Stationen mit W. in Zukunft ein besonderes Auge haben? Pedro Almodóvar antwortete einmal auf eine Frage zu seinen Figuren und seinem Filmschaffen, an die ich mich jedoch nicht genau erinnern kann, dass es zwei Typen Mensch gäbe: Wenn eine U-Bahn (in Madrid gibt es keine S-Bahn im Berliner Sinne) im Tunnel gestoppt wird, weil sich jemand davorgeworfen hat, und die Fahrgäste aussteigen müssen, um zur nächsten Station zu laufen, dann sind da einerseits die, die sich das Desaster, wenn auch angewidert, erschrocken und besorgt, aber dennoch neugierig ansähen und die, die konsequent wegschauten, um nur ja nicht von den Bildern, wenn auch nur kurz erblickt, aber vielleicht gerade deswegen ins Gedächtnis eingebrannt, verfolgt zu werden. Was mich selbst betrifft, kann ich das nur schwer sagen, da ich immer gestoppt werde, ehe ich zur Unfallstelle gelange, ich habe aber eine Vermutung. Gestern fuhr ich dann fast eine ganze Runde Ringbahn, um überhaupt nach Hause zu gelangen, kam so aber durch Stadtviertel, die man auch fast schon als "verunfallt" bezeichnen könnte. Statt nach draußen zu schauen, vertiefte ich mich jedoch in "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" – endlich mal Zeit, in Ruhe zu lesen! Man kann sich jetzt fragen, wie ich an der Stelle die Kurve kriegen will. Zurecht. Nun, ganz einfach: Ich widme mich lieber einem Buch (das ich übrigens von 11 Jahren schon einmal gelesen habe, und seinerzeit nicht annähernd so gut fand, wie jetzt), als auf die fremden, hässlichen Stadtviertel zu blicken – demnach würde ich wohl eher wegschauen, ist doch klar. Manchmal finde ich dieses Ausblenden alles Unangenehmen geradezu zum Kotzen, manchmal bin ich aber auch ganz froh darüber. Fazit: Sollte man nicht lieber verdrängen, vielleicht etwas Schönes lesen, mit Menschen sprechen, Musikhören, was Gutes essen, tanzen gehen oder Skifahren, als sich vor Züge zu werfen? Oder ist das zu simpel gedacht?

Montag, 31. Januar 2011

Home is where the heart / hurt is.

"Nächste Station: Prenzlauer Allee". Ich schrecke hoch, bin wach! Automatisch geht der Griff an meine Tasche. Sie ist noch da. Automatisch geht der nächste Griff in meine Tasche: Telefon, Portemonnaie, Zigaretten, Schlüssel. Alles da. Aufatmen. Wahrscheinlich war ich gar nicht eingeschlafen und es handelt sich sowieso um eine S8, so dass ich im schlimmsten Fall lediglich in Birkenwerder gelandet wäre. Nun, vielleicht ein andermal, jetzt ist es für derlei Ausflüge zu spät und zu kalt. "Nächste Station: Prenzlauer Allee" also. Verwurzelt in der Trunkenheit einer Samstagnacht im Januar, werde ich ein wenig sentimental und weich, in etwa wie geschmolzenes Karamell. Um die Wahrheit zu sagen, werde ich wahrscheinlich sogar sehr sentimental und muss fast vor Rührung weinen, als ich denke, dass ich nun gleich zu Hause sein werde. Zu Hause. Hach! Während ich dorthin eiere und mein gefrorener Atem klirrend auf den Asphalt fällt, denke ich ein wenig über diesen seltsamen Heimatbegriff nach. Die Gedanken lösen einander fließend ab, ich kann keinen wirklich festhalten und denke zum wiederholten Male, dass ich mir für solche Augenblicke ein Diktiergerät zulegen sollte, weil ich betrunken nicht in der Lage bin zu schreiben und mich mein Gedächtnis für gewöhnlich in derartigen Momenten im Stich lässt. Wir haben erst neulich über dieses Heimatding nachgedacht, und waren uns unterm Strich nicht klar darüber, ob das Problem der Einengung schwere wiegt, als die relative Geborgenheit, die man bekommt. Als ich meine Wohnungstür hinter mir zuschließe, mir die Schuhe von den Füßen streife, alle Lichter, Musik und den Laptop anmache, meine Kleidung über die ganze Wohnung verteile, verschiedene Nahrungsmittel ausprobiere, zähneputzend durch alle Zimmer gehe, mich setze, wieder aufstehe und mich schließlich hinlege, denke ich: Alles Quatsch, home is where the heart is! Oder war´s "hurt"? Egal! Angekommen!

Donnerstag, 27. Januar 2011

Don´t look back into the sun.

Man vergisst im Augenblick der Aufruhr, dass man schließlich doch vergessen wird. Dass manche Erlebnisse wie eine Grippe an einem vorbeigehen, dass man nur stillhalten, ein paar Regeln beachten und ein bisschen auf sich aufpassen muss. Ruhe bewahren. Dass es grad ein wenig unangenehm ist, vielleicht auch weh tut, natürlich, aber nicht für lang. Und dann ist es rum und im Rückblick verschwimmen all die kleinen Grippen miteinander, im Rückblick kann man sie zeitlich gar nicht mehr richtig zuordnen, im Rückblick werden sie unbedeutend. Und dann gibt es chronische Bronchitis. Chronische Bronchitis, die bei Seeluft und guten Witterungsbedingungen besser, aber doch nie richtig weg ist. Chronische Bronchitis, die einen immer irgendwie beeinträchtigt, die man manchmal vielleicht kurz vergisst, aber kaum dass man sich fragt, wie das noch gleich war, hat man unbedacht den Schal vergessen und – zack! – schon ist sie zurück und wirft einen zu Boden.

Eigentlich schlimm, dass man "die Liebe" (na klar geht´s hier um die Liebe, worum denn sonst bitteschön?!) in Metaphern mit Krankheiten gleichsetzt. Man möchte meinen, dass "es" dann ja auch wirklich nichts werden kann. Wann sind wir eigentlich so zynisch geworden? Und warum tun wir viel härter als wir sind? Weil wir nicht anders können, und im Grunde kann man sich glücklich schätzen, wenn das das größte Problem ist, das man hat. Guten Donnerstagnachmittag, Berlin!

Donnerstag, 20. Januar 2011

Treat your body like a temple - reloaded.

Ich hatte es noch gar nicht explizit erwähnt, aber – wie im vergangenen Jahr – widme ich den Januar dem Detox, will heißen, ich trinke nicht, was auch dazu führt, dass ich bedeutend weniger rauche, mehr und vor allem besser schlafe, mich sportlich betätige, jede Menge interessanter Säfte trinke und einer kulturell anspruchsvolleren Freizeitgestaltung nachgehe. Wer mich regelmäßig liest und / oder das große Glück hat mich persönlich zu kennen (*hüstel*), ahnt vielleicht, dass ich unter Umständen manchmal ein winziges bisschen marginal zu einem latenten Extremismus neigen kann und es ist eventuell sogar möglich, dass dieser Fall auch nun wieder eingetreten ist. Hauruckaktionen und Schnellschüsse, herzlich willkommen! Vielleicht werde ich aber auch wirklich langsam alt, und genieße die relative Ausgeglichenheit deswegen so sehr? Man weiß es nicht. In einem solchen Fall empfiehlt sich der Blick in die Aufzeichnungen (manchmal auch gern liebevoll aufgrund ihrer umfassenden Genauigkeit "die Stasiunterlagen" genannt) und siehe da, im vergangenen Jahr war es haar genauso! Und ich ahne natürlich, wie es ausgehen wird, aber halt! Unterscheidet es uns nicht von den Tieren, dass wir aus unseren Verfehlungen und Verirrungen lernen? An anderer Stelle kamen wir neulich drauf, weshalb uns unser eigenes Verhalten im Rückblick manchmal so absurd erscheint: Wir vergessen vielleicht oftmals nicht die Fakten, aber der Bezug zum dazugehörigen Gefühl kommt uns abhanden. Auf der Suche nach einem akzeptablen Mittelweg wurde mir erst gestern ein in meinen Augen sehr hilfreicher Tipp gegeben: Emotionaler Wahnsinn ist manchmal sicher akzeptabel und vielleicht sogar notwendig, wenn man aber bemerkt, dass es zu wirklich extremen Auswüchsen kommt, sollte man sich bemühen, einen Schritt zurückzutreten und überlegen, wie man die Situation mit einem Jahr Abstand betrachten würde, und wenn man dann sagen muss "Verdammt, wie konnte ich nur so dämlich sein!" sollte man vielleicht Alternativen in Betracht ziehen. Das ist natürlich nicht ganz einfach, aber ich versuche das jetzt mal – den gesunden Januar im Rücken sollte das ja alles kein Problem sein.