Mittwoch, 22. Februar 2012
Okklumentik (und Kippen).
Donnerstag, 16. Februar 2012
Wege der Freiheit.
Dienstag, 24. Januar 2012
I´d rather drown than not dive in.
Montag, 12. Dezember 2011
Naked Lunch vs. Burn-Out
Ich wollte mich noch zu Naked Lunch äußern. Also… das ist gar nicht so einfach. Andererseits ist es dann aber auch wieder relativ egal, was man zum Inhalt sagt, da es fast unmöglich ist, wirklich viel von der Handlung preiszugeben, weil selbige eher nicht zu fassen ist. Wenn man an einem Straßenbahnunfall vorbeikommt (im Kosmos des Öffentlichen Nahverkehrs ist die Straßenbahn ja wahrlich einer der schönsten Sterne!), kann es passieren, dass man hinschauen will und tatsächlich muss, obwohl man vielleicht besser wegschaute. Mit Naked Lunch verhält es sich ganz ähnlich. Es hilft, wenn man eine Ausgabe mit Nachwort liest, welches vorangestellt besser aufgehoben wäre, aber als mündiger Anarchobürger kann man die Reihenfolge auch eigenmächtig umstellen – ich denke Burroughs selbst fände das in Ordnung. Dort erfährt man dann jedenfalls so Einiges über die Entstehung des Buches, was zumindest mich bisher dazu bringt, dabei zu bleiben, obgleich ich kürzlich fast im Wedding hätte aus der S-Bahn steigen müssen, um mich ob der geschilderten Gewaltpornographie zu übergeben, aber das nur nebenbei. Also, wenn Sie mein Urteil hören wollen und über einen starken Magen verfügen: Man kann es ruhig mal lesen, dieses Naked Lunch – wobei "ruhig" da nicht das richtige Wort ist, klar. Denken Sie sich einfach ein anderes aus!
Bücher sind insgesamt eh gerade so ein Thema (siehe neulich), sie häufen sich nämlich überall: auf Tischen, im Regal, in Taschen, auf Fensterbrettern, unterm Bett; manchmal wünsche ich mir eine Grippe oder ein paar Jahre im Sanatorium, um endlich mal in Ruhe das eine oder andere weglesen zu können. Stattdessen machen wir über Kräutertee und Gelächter den Burn-Out-Schnelltest in der Titanic und finden heraus, dass wir noch nicht betroffen sind, jedoch vorsichtig sein und vor allem Widdergeborene meiden müssen. Mit diesem Tipp im Hinterkopf kommen wir nun aber sicher problemlos bis zum Jahresende!
Freitag, 9. Dezember 2011
Cold Turkey.
Kürzlich fiel auf der Arbeit mal das Internet aus. Nach etwa einer halben Stunde beginne ich Cold Turkey von John Lennon zu singen – wenn man plötzlich abgeschnitten ist vom Netz, dann ist das wirklich wie Entzug. Im Grunde schon auch traurig, man ist fast nicht mehr in der Lage, sich ohne Internet zu beschäftigen – vielleicht bleiben auch deswegen viele Bücher (dazu wann anders mehr, da ist was in der Mache) ungelesen? Man ist ständig online ablenkt und hat nicht mal mehr Zeit für die ZEIT, wobei man sich da auch fragen muss, ob es die ZEIT überhaupt zu lesen gilt, aber da gibt es keine Regeln, soviel ich weiß. So ein Glück! Zunächst mal klicke ich also aller paar Minuten, später fast sekündlich, auf das kleine Browsersymbol, um mich dann wie beiläufig und gespielt ausgeglichen bei den Kollegen zu erkundigen, ob denn bei denen das Netz auch nicht geht, man wolle mal den Dollarkurs checken, und es könne ja am eigenen Computer oder so liegen. Ja, also nein, am Endgerät liegt es nicht, das Netz ist in der Tat überall abhanden gekommen. Das ist einerseits erleichternd, heißt es nämlich, dass man nicht irgendwie vorsätzlich wegen Missbrauchs von den Vorgesetzten abgekoppelt wurde, zudem wird im Falle vieler Betroffener die Problemlösung sicherlich zügig vorangetrieben. Andererseits kann es sich damit auch um etwas gravierendes handeln, z.B. ein von Bauarbeitern durchtrenntes Kabel oder dergleichen, und man weiß ja meistens aus erster Hand, dass die Lösung derartiger Angelegenheiten mit der Telekom zu tun hat und folglich oft langwierig sein kann, wenn nicht sogar muss! Meine mit einem Hauch Zynismus dekorierte Verweigerungshaltung Smartphones gegenüber fällt mir nun also doch auf die Füße und kommt mir plötzlich überdenkenswert und vielleicht sogar ein winziges bisschen trotzig-beschränkt vor, wobei lamentieren jetzt ja auch nichts bringt.
Wenn man einen Film oder eine Serie sieht, die Menschen in der Vor-PC-Zeit in Büros zeigt (gibt’s nicht soooo oft, da es sich damit eigentlich um ein äußerst langweiliges Sujet handelt), wo dann keine Computer auf den Tischen stehen, frage ich mich ja immer, was diese Leute eigentlich den ganzen Tag über im Büro gemacht haben – es sei denn, ich sehe Mad Men, wo man schließlich Scotch trinkt, Luckies raucht, die Sekretärinnen verführt und / oder zum Weinen bringt und sich Werbestrategien ausdenkt. Ich hatte ja schon mal berichtet, dass ich mit einer Menge Ingenieure zusammenarbeite, wobei viele von denen auch "irgendwas mit Computern" machen. Dummerweise ist aber ausgerechnet der Informatiker krank, der gemeinhin für den reibungslosen Ablauf der bürospezifischen Tätigkeiten zuständig ist. Erstaunlich, dass man das ganze Büro voller Nerds haben kann, aber keiner von denen in der Lage ist, einfach den Zugang zum WWW wieder herzustellen. Guten Morgen 21. Jahrhundert, das kann doch alles nicht so schwer sein! Es gibt dann eine Reihe aufgeregter Telefongespräche mit dem Anbieter, denn – ganz wie in einer klassenlosen Gesellschaft (man muss auch mal das Gute sehen!) – sind nämlich wirklich alle ohne Netz und das kann so ja nun auch nicht sein. Wer es sich aus Hierarchiegründen leisten kann, geht nach Hause, womit dann auch die klassenlosen 10 Minuten beendet sind. In der Hoffnung auf ein Wunder oder mittlerweile aus einfacher Gewohnheit heraus klicke ich weiter hin und wieder auf das Browsersymbol, was aber natürlich keine Früchte trägt, außer dass mir "503 Service Unavailable" angezeigt wird. Im Herzen nistet sich eine kleine Verzweiflung ein, man könnte ja so viel verpassen! Man wollte sich noch informieren, um was es beim Käthchen von Heilbronn geht und ein paar Flüge sowie Tickets fürs Radiohead-Konzert im nächsten Juli müsste man sich auch noch besorgen – was wenn das Konzert mittlerweile ausverkauft ist, die Flugpreise sich verdoppelt haben? Ganz zu schweigen davon, dass "ordentliches Arbeiten" ohne Internet überhaupt nicht möglich ist! Am Ende des Tages ist der Netzzugang immer noch nicht wieder hergestellt, dafür ist die Frisur vom vielen Haareraufen zerzaust und der Schreibtisch sauber. Dort haben sich derweil aber so viele vergessene Aufgaben wiedergefunden, dass man nur hoffen kann, dass die Telekom es morgen nicht hinbekommt, das Kabel (oder was auch immer) zu reparieren.
Dienstag, 29. November 2011
November.
So, jetzt ist der Monat fast um und ich äußere mich gar nicht mehr, dabei war es der regenärmste November seit Menschengedenken. Das muss man sich mal vorstellen! Auch wenn es so scheinen mag, es mangelt mir nicht an Themen – nein, das nun wirklich nicht! Nur habe ich irgendwie keine Zeit, oder – schlimmer noch – nicht den Hauch von Disziplin! Im Endeffekt ließen sich die meisten alltäglichen Probleme mit etwas mehr Disziplin und vielleicht auch ein wenig Härte gegen sich selbst lösen, aber vielleicht will man das gar nicht. Wie ich jahrelang ohne Deckenlampen ein durchaus schönes Leben hatte, habe ich mich in meinen Macken eingerichtet, kultiviere ich meine Seltsamkeiten, ich werde alt, ergo (nicht die Versicherung, meine Güte!): Es wird immer schlimmer!
Im Herbst wird mir diese ständige Wiederholung aller Dinge immer überdeutlich, vielleicht weil dann wirklich irgendwie alles zu Ende geht. Neulich spazierte ich durch den Tiergarten und hörte dazu Klassikradio (s.o.), es schneite buntes Laub, friedlich grasten die Wombats. Ein Klavierstück von Mozart wurde angekündigt, und zwar in einer Aufnahme des norwegischen Radioorchesters! Das norwegische Radioorchester! Ist das nicht wunderbar? Ich fand es ganz fantastisch und fühlte mich – warum auch immer – irgendwie in die Vergangenheit katapultiert. Nicht, dass ich schon mal in der Vergangenheit, geschweige denn in Norwegen gewesen wäre. Aber so stelle ich mir das vor: Lauter kleine Häuser mit bunten Türen, beleuchteten Fenstern und zugeschneiten Dächern, aus den Schornsteinen windet sich der Rauch in einen grauen Himmel hinauf. Hinter den Häusern fahren Kinder Schlitten, auf den Straßen bewegen sich die Leute mit Skiern fort. Über allem… Mozart! So war das früher in Norwegen!
Ich lese gerade Naked Lunch. Dazu wann anders mehr.
Mittwoch, 2. November 2011
There's a light that never goes out.
An Tag 2 des Laufens denke ich, dass ich ein fantastisches Leben führe. Ich sage laut zu einem Menschen, den ich gerade kennengelernt habe, der aber in wenigen Stunden mehr über mich erfahren hat, als manch Anderer in Jahren, dass ich eigentlich abbrechen könnte, ich wisse ja nun, dass im Grunde alles wunderbar ist. Aber natürlich gehe ich weiter. Es sind insgesamt 230 Kilometer. Jeden Tag geht es aufs Neue nur darum, anzukommen, zu essen, zu trinken, zu schlafen, zu duschen und zu konversieren. Das ist schaffbar, noch dazu macht es Spaß – na gut, vielleicht nicht jedermanns Sache, aber mir tut es mal gut, Reizüberflutung gegen körperliche Betätigung einzutauschen. Ich könnte ein Loblied auf die Pilgerei singen, und wenn ich das jetzt hier nicht tue, dann liegt es nur daran, dass alles bereits gesagt worden ist, teilweise sehr amüsant von Hape Kerkeling. Was ich noch einmal festhalten will ist, dass es keine Abkürzung gibt, nicht alle Ziele sind gleich, deswegen sind es auch nicht alle Wege, ist ja klar! All diese einfachen Wahrheiten liegen zuhauf neben den gelben Pfeilen, die Richtung Santiago weisen. Ich könnte einen Monatslohn ins Phrasenschwein werfen, würde ich alle Weisheiten des Weges zitieren wollen, unterm Strich bleibt: Man wechselt die Perspektive und Vieles erscheint endlich so gut, wie es tatsächlich ist.
Erstaunlicherweise hält diese Erkenntnis nun schon einen Monat lang an. Ich befürchte, dass die Blase irgendwann platzt, manchmal treffe ich die alte Angst beim Rauchen auf dem Balkon, aber ich lasse sie meistens nicht mehr in die Wohnung. Wenn ich jetzt wirklich den Knopf zum Kopfkino gefunden habe, verdiene ich mich noch dumm und dämlich! Dann geb ich einen aus, versprochen!