Freitag, 12. Juli 2013

Love Is A Dog From Hell

Sie werden (vielleicht) lachen; ich habe mir eine Ausgabe von Charles Bukowskis Gedichtband "Love Is A Dog From Hell" gekauft und finde sie natürlich ganz wunderbar. Wahrscheinlich muss man für Bukowski irgendwann bereit sein, ich habe nicht das Gefühl, ich hätte ihn gesucht, sondern vielmehr ist er im passenden Moment zu mir gekommen. Ich kann nicht sagen, ob das gut oder schlecht ist, genauso wenig wie ich sagen kann, ob dieser "passende Moment" ein Höhe- oder Tiefpunkt ist, es kann sich auch einfach nur um einen weiteren Augenblick des Transits handeln - wie meistens also. Wie scheinbar das ganze sogenannte Leben also. Und das Analysieren ist natürlich müßig bis nervtötend, aber man entscheidet sich selten bewusst dafür, dass eine Zeit des Grübelns angebrochen ist. "Love Is A Dog From Hell" hat es jedenfalls bis in mein Schlafzimmer geschafft, was kaum je einem Buch gelingt, weil ich gewöhnlich nie im Bett, sondern immer auf dem Sofa lese. Das kann einfach daran liegen, dass es sich um Gedichte handelt, von denen man auch schnell mal 2-3 liegend in den Schlafpausen der Unruhe liest, oder daran, dass die natürliche Habitat dieses Buches eben das Bett ist. Bleibt die Hoffnung, dass sie helfen im Kampf gegen diese Müdigkeit, die mich umtreibt, kurioserweise wachhält und nicht einfach mit Schlaf und The National zu besiegen ist. 

"If there are junk yards in hell, love is the dog that guards the gates."

Donnerstag, 4. Juli 2013

Emo-Kater strikes again.

John Steinbeck (Wer auch sonst? Außer vielleicht Fitzgerald oder Faulkner oder de Beauvoir oder Roth... naja, Sie wissen schon: der Scheinintellekt.) hat mal die wunderbaren Sätze aufgeschrieben: "I have always lived violently, drunk hugely, eaten too much or not at all, slept around the clock or missed two nights of sleeping, worked too hard and too long in glory, or slobbed for a time in utter laziness. I've lifted, pulled, chopped, climbed, made love with joy and taken my hangovers as a consequence, not as a punishment.", die ich immer wieder gern zitiere. Die ich immer wieder gern zitiere, und die ich mir vor allem auch ab und an selber sagen muss, um in Momenten der massiven Emo-Verkaterung nicht allzu lang über Kohlenmonoxid nachzudenken. 

Massive Emo-Verkaterung, Tag X. Wir fahren also zur Fusion. Man muss auch mal was Neues machen. Ich würde sicher nicht soweit gehen zu sagen, es gäbe ein Leben vor der Fusion und eins danach, aber es war schon anders und besonders, vor allem nämlich besonders schön. Und wenn es dann vorbei geht und man irgendwie doch froh ist, wieder zu Hause zu sein, später jedoch vor Erschöpfung nicht in den Schlaf findet, kommen einem die seltsamsten Gedanken, manche davon tröstlich, andere eher weniger. Bleiben wir bei den Guten, warum auch nicht? Vielleicht gibt es Menschen, die bis an ihre Grenzen ran und dann wissentlich darüber hinaus gehen müssen, um irgendetwas zu fühlen, sich selbst zum Beispiel. Und vielleicht bekommt man die ganz bunten Stunden nur, wenn man auch die eine oder andere (oder 96) schwarze in Kauf nimmt, und das ist es dann wahrscheinlich auch wert, wenn man nur feststellen kann, dass doch alles da und alles gut ist. Man vergisst das manchmal. Schließlich - wenn der Kater sich langsam vom Acker macht - ist es so simpel: Überleben heißt einfach nur, immer wieder von vorn anzufangen.

Donnerstag, 25. April 2013

Man muss etwas tun.

Die Angst vor dem leeren Blatt Papier. Wobei das heutzutage meistens ja nur noch im übertragenen Sinne ein solches ist. Die Angst vor dem leeren Bildschirm, die Finger zitternd auf der Tastatur eben. Ich schreibe seit jeher Dinge auf, um den Verstand nicht zu verlieren - wahrscheinlich ähnlich, wie man via Unterbewusstsein das Geschehene in Träumen verarbeitet, archiviere ich in diversen Tagebüchern, Heften, Zettlblöcken und modernerweise sogar auf dem Computer die Vorkommnise, bemühe ich mich um Einordnung, alles dem Zweck unterworfen, für mich selber den Überblick nicht zu verlieren. Ich weiß nicht, ob ich derzeit unkonzentrierter bin, oder ob einfach zu viel passiert, jedenfalls habe ich das Gefühl, nicht mehr richtig nachzukommen. Ständig sieht man sich genötigt, zu irgendeinem Thema Stellung beziehen zu müssen, dabei ist es schwer im allgemeinen Geschrei den Unterschied zwischen Meinung und Information zu erkennen. Wen es überrascht, das "Leute wie" Uli Hoeneß Steuern hinterziehen und Mario Götze das mit der "echten Liebe" dann doch nicht so ernst nimmt (was übrigens 2 ziemlich verschiedene Paar Schuhe sind), den erstaunt es auch, dass im Radsport gedopt wird. Vielleicht wäre es angenehm, wenn man zurückkehren könnte an eben diesen Punkt der Naivität, aber die Möglichkeit ist verbaut, der Verlust auch der geistigen Unschuld ist nicht umkehrbar und höchstwahrscheinlich nicht einmal wünschenswert. Und dabei ist es mindestens kurzsichtig wenn nicht fahrlässig "die Regeln des Spiels" (und ich rede nicht (nur) von Fußball) mit den wässrigen Maßstäben einer bürgerlichen Moral zu bewerten. Wenn das oberste systemische (jaja, ich weiß, dass ich nicht "System" sagen soll) Ziel die Mehrung von Profiten ist, dann kann man niemandem verübeln, wenn biegsame Regeln überspannt und umgangen werden. Brecht fasste das so schön mit "Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral" zusammen. Dem ist wenig hinzuzufügen. 

Was bleibt? Die Flucht ins Private ist eine Krücke, die nicht lange halten wird, aber dennoch ist es die einzige vorerst erreichbare Bastion. Dort zu Hause sind im besten Falle Fantasie und Humor, Galgenhumor vielleicht, aber das ist besser als nichts. Wir gehen in die Schaubühne und sehen "Soll mir lieber Goya den Schlaf rauben als irgendein Arschloch" von Rodrigo García, diese herrliche Mischung aus Inhalt und Trash. Schauen Sie sich das ruhig noch an, bevor Lars Eidinger zu groß und das Stück abgesetzt ist:
 
"Man muss etwas tun! Ohne an die Konsequenzen zu denken. Beim Menschen ist die Fähigkeit vorauszudenken sowieso so schlecht entwickelt; das ist eigentlich nichts anderes als ein Berg abgelagerter Vorurteile, da könnte man glatt ne neue Wissenschaft dazu erfinden: die psychologische Geologie würde ich das nennen... Vertrauenswürdiger jedenfalls ist der Instinkt."
 
Etwas tun also. Mit Sinn und Verstand, wenn möglich, was man in unserem Fall aber nicht mit "vernünftig" verwechseln sollte.

Freitag, 19. April 2013

Time is a jet-plane.

Es wird nun also doch mal Frühling! Der freundliche Mann in der Apotheke bestätigte mir heute Morgen mit einem mitleidigen Blick, was ich eh längst wusste: "Das Heuschnupfenmittel wird Sie müde machen." Seitdem bin ich jetzt noch fertiger, als gewöhnlich, insofern das überhaupt geht. Fertig und uninspiriert. So ist das ja oft, sobald man eine (im besten Fall professionelle) Bestätigung von Außen erhält - zack - bekommt eine Sache gleich viel mehr Hand und Fuß, wird also gewissermaßen real. Gerade in der Woche, in der LSD 70 Jahre alt geworden ist, kann man sich trotzdem ruhig einmal fragen, was das überhaupt ist, diese sogenannte Realität, wahrscheinlich nämlich doch etwas eher subjektives. In der 5. Staffel von Mad Men gibt es diese wunderbare Folge, in der Roger und Jane auf Acid sind ("Far Away Places", Staffel 5, Folge 6) und Jane irgendwann verwundert fragt, wie es sein kann, dass ein paar Zahlen die ganze Zeit beinhalten. Gar keine so schlechte Frage, denn was ist schon die Zeit anderes als eine Illusion, wenn man die Vergangenheit eh nicht noch einmal erleben kann und die Zukunft stets ungewiss ist, dann bleibt uns ja doch "nur" das Jetzt. 
Und nun im Frühling wird ja bekanntermaßen auch immer ein bisschen was neu, wobei es mich allein schon erleichtert, nicht mehr permanent zu frieren, auch wenn das heißt, in der Pollenzeit ständig müde zu sein. Für zu Hause ist die 6. Mad Men Staffel angelaufen und The National kommen demnächst mit einem neuen Album um die Ecke, ich beginne mich aufs Neue für die alten Trinker F. Scott Fitzgerald und Charles Bukowski zu begeistern und Mitte dieser Woche eröffneten wir endlich die Grillsaison auf meinem Balkon. Bowle ist der neue Erdbeer-Daiquiri. Mark my words!  

Donnerstag, 28. März 2013

Fade Away.

Die Mutter eines sehr guten Freundes liegt im Sterben. Es handelt sich nur noch um Tage, vielleicht Wochen. Es war abzusehen, sie hat schon viel länger und in besserem Zustand "durchgehalten" als die Ärzte erwartet und vorhergesagt hatten. Und natürlich ist es der Lauf der Dinge, dass Menschen sterben (darüber wie furchtbar es wäre, unsterblich zu sein, habe ich mich an anderer Stelle schon einmal ausgelassen), und wenn alles seinen Gang geht, dann sind die Eltern vor den Kindern dran. Aber diese Betrachtung des Großen und Ganzen kann vielleicht später als Trost herhalten, jetzt sind es lediglich Worte und noch mehr Worte. Ich kann selbstverständlich nichts tun. Nur zuhören, wenn das überhaupt hilft. Nicht mal Schnaps kann ich anbieten ("denn wo Kummer ist, ist auch Likör"), dafür bin ich räumlich einfach viel zu weit weg. Er sagt, es sei ein seltsames Gefühl: Einerseits wolle er natürlich nicht, dass sie stirbt, andererseits wünscht er sich manchmal, es sei schon vorbei, all das Leiden und Warten. Sie ist seine Mutter, sie war schon immer da, aber die Krankheit hat sie konsumiert; sie ist wie eine batteriebetriebene Lampe, die langsam immer schwächer leuchtet und schließlich erlischt.

Und da sitzt man nun, heult ein bisschen und fühlt sich stellvertretend wie gelähmt. Dann wieder diese alten Gedanken über alle Endlichkeit. "Das Leben ist zu kurz..." heißt es immer - zu kurz wofür? Zu kurz für nicht erfüllende Jobs und Beziehungen, zu kurz für schlechte Musik, zu kurz für unterirdische Laune, zu kurz fürs Hadern, wollen und doch nicht können? Wir messen unser Unglück meistens am Glück der Anderen, doch darum geht es vielleicht gar nicht. Worum also? 

Einsehen. zum. Schluss. dass. man. weitermachen. muss. 

Montag, 11. März 2013

I had a secret meeting in the basement of my brain.

Der Winter, der nicht weichen will und The National. Eine dunkle Kombination. Seitdem ich in Berlin lebe, habe ich jedes Jahr aufs Neue das Gefühl, dass ich mir den Frühling hart und ehrlich verdient, ja geradezu erkämpft habe. So auch dieses Jahr. 

- und dann war sie kurz übermütig geworden, verführt von einer Woche schönen Wetters, einem Leuchten folgend, das sich als Irrlicht herauszustellen scheint. Same same.

Jeder tut, was er kann, whatever gets you through the night, it´s alright (ya know?). Den Kopf wieder runter, eine Unruhe im Körper; ich weiß nicht, bin ich auf der Jagd oder auf der Flucht? Diese Leere füllen mit Büchern, Freunden, Schnaps, Kippen, Bundesligakonferenz und Marx. Nicht die schlechteste Lösung, wobei das natürlich keine "Lösung" im engeren Sinne ist. Direkte Zusammenhänge zwischen Wut, Angst, Frustration und Dunkelheit werden erkannt, weil sie bekannt sind. Es ist immer das Gleiche, es handelt sich nicht um höhere Physik, dies ist kein Raumschiff, es ist nur das kleine Einmaleins der alten Verzagtheit und Unsicherheit, ein Rad also. Immer im Kreis. Sie brauchen sich nicht anzuschnallen, Sie kennen das schon.

Ich lese "Sternstunden der Bedeutungslosigkeit" von Rocko Schamoni und fühle mich teilweise geradezu ertappt. Wenn man sich "so" fühlt, dann kann man nicht wirklich was machen, dann hält man es eben aus und kompensiert die kleine Traurigkeit im besten Fall mit Humor. Es könnte schlimmer, aber das könnte es ja immer, nicht wahr? 


Donnerstag, 14. Februar 2013

All you need is love?

Valentinstag - hatten Sie das bemerkt? Sicherlich! Ich meine, man kommt ja nicht daran vorbei; selbst wenn man wollte, es sei denn, man lässt Internet, Fernsehen und Radio ausgeschaltet und geht mit geschlossenen Augen durch die Welt. Jedoch: Wer kann sich das schon leisten? Und natürlich ist es ein Fest des Einzelhandels, eine Hure des omnipräsenten Kommerzes, ein Teil der Schlinge um unser aller Hals; da sollte ich wütend drüber schreiben - so als (gefühlte) Abziehbildkommunistin meine ich, aber nein! Nein, weil es doch per se immer (also  i m m e r!)  gut und richtig ist, zu feiern. Und wenn es dann noch die Liebe zu feiern gilt erst recht!

Die Liebe... die Liebe, jaja. Jetzt, wo ich irgendwie doch schon so mittelalt bin, beginne ich das zu fühlen, was ich schon länger verstanden hatte, aber da gibt es ja diesen Graben zwischen Denken und Fühlen, über den hinweg man oft wenig bis gar nicht klar sieht: Die Liebe ist eine gute Sache, doch sie ist eben nicht beschränkt auf dieses gesellschaftliche Junge-trifft-Mädchen-Konstrukt der romantischen Art. Das soll nichts heißen, hoch sollen sie leben, all die glücklich Verliebten, die Tisch, Bett, Freuden, Sorgen und Küsse teilen, es ist ja auch eine ganz wunderbare Sache! Manchmal vielleicht sogar von Dauer, manchmal aber auch nicht und nicht wenige werden im Pärchenmodus sogar zu einer schwächeren Version ihrer selbst, was dann wiederum nichts mehr mit der Liebe, wie wir sie uns wünschen, zu tun hat.

Aber keine Sorge; selbst wenn man sich im emotionsärmeren Raum befindet, kann man immer noch lieben, und vor allem muss man sich zuvorderst erstmal nur um sich selbst kümmern, und damit kann man dann auch gleich anfangen: Eigenliebe - der Anfang einer endlosen Romanze. Wem das nicht genügt: Familie, Freunde, Theater, Musik, Bücher, Filme, Union Berlin, Hund, Katze, Wälder, Schnaps, Sex, gutes Essen, eine Stadt und noch eine, Sonnenunter und -aufgänge, das Meer usw. usf. (und dabei war ich jetzt noch nicht mal sonderlich einfallsreich). Was ich sagen will? Wer allein ist, muss noch lange nicht einsam sein - ganz im Gegenteil. Oft ist es ja so, dass man seinen sozialen Kontakten viel besser gerecht wird, wenn man sich nicht hauptsächlich um eine Person kümmert. Und bloß weil man nicht ins vorgefertigte Schema von Vati, Mutti, Kind passt, ist man vielleicht ein kleiner Rebell, weil man sich eben nicht geschlagen gibt und an irgendeinem Punkt die Waffen (und die Selbstachtung) streckt, nur um nicht allein zu sein, aber noch lange kein Versager!

Wie dem auch sei. Frohen Valentinstag und hoch die Tassen: AUF DIE LIEBE! ...unter Umständen nämlich doch "die größte unter ihnen."