Freitag, 31. Juli 2009

Morgenluft: Tag 4

Ich habe es mir abgewöhnt, zu fazitieren. Das ist mir einfach zu kindisch, und Chuck findet es auch nicht gut, aber als ich heute Morgen leicht verkatert aufwachte und mir die Sonne gnädig ins Gesicht schien, machte plötzlich die Formulierung "Morgenluft wittern" Sinn für mich. Ich kann mir nach dem gestrigen Abend mit der Family of Friends, Pappa Ante Portas, Weißwein, 2kg Kartoffeln und 7 Litern Senfsoße schon ganz gut erklären, warum das so ist, aber da gibt es noch etwas Anderes, etwas Unbestimmtes. Vielleicht sollte ich einfach mal wieder ausschlafen? Vielleicht sollte ich aber auch genau das Gegenteil davon tun? Ich frage mich, was wohl Freud dazu sagen würde. Sicherlich nicht: xoxo…

PS: Bis Montag werden keine Erwachsenen-Punkte gezählt!

Donnerstag, 30. Juli 2009

Zäsur: Tag 3


In Anbetracht der Tatsache, dass das Wochenende vor der Tür steht, wobei nach guter alter Madrider (– hach, Madrid! –) Tradition dasselbe ja auch gern mal am Donnerstag losgehen kann, habe ich mich entschlossen, eine kleine Pause vom erwachsenen Ich zu nehmen – all diese Seriosität war ja sogar für mich selbst schon nicht mehr zu ertragen. Heute Morgen ging es soweit, dass ich mir einen Pferdeschwanz gebunden habe, um auszusehen wie jenes Joghurette Modell, dass da locker flockig durch den Park trabt, behauptet, man könne durchaus Schokolade essen, und trotzdem ein erfülltes schlankes Dasein haben und dabei ganz unerträglich in sich selbst zu ruhen scheint. Wir haben genug von diesem verlogenen Scheiß!!! Stattdessen bereite ich mich jetzt auf das Supershirt Konzert am Samstag vor, koche nebenher meine weltbekannte Senfsoße in industriellen Mengen, freue mich jetzt schon auf den ersten Drink und versuche ganz nebenbei noch die eine oder andere Folge Gossip Girl in meine Freizeit zu quetschen. Gut, dass heute keine Punkte gezählt werden, so kann ich ja jetzt auch gestehen, dass ich voll in Chuck verliebt bin, und versuche diese Geste, die er macht, wenn er nach unten blickt und sich dabei mit Daumen und Zeigefinger an die Nasenwurzel fasst, und die aussagt, dass man von der ganzen beschissenen Mittelmäßigkeit und Stumpfsinnigkeit um einen herum aber sowas von angeekelte ist, so oft es geht in meinen Alltag einzubauen. Bisher Unverständnis auf der ganzen Linie, da hilft nur üben, üben, üben! Dieses Wochenende gehe ich damit übrigens in den Feldversuch, man darf gespannt sein. In diesem Sinne: xoxo

Mittwoch, 29. Juli 2009

Stagnation: Tag 2

Wahrscheinlich ist das meiner Ungeduld geschuldet (-3 Punkte), aber irgendwie habe ich das Gefühl, ich stagniere in diesem Prozess (Selbstkritik & Einsicht: 2 Punkte)! Gestern kein Alkohol (1 Punkt), mangelhaftes Arbeiten (0 Punkte), zu viel Zeit auf Facebook (-1 Punkt, andererseits: Wer legt fest, wann es zu viel ist?), und jetzt kommt´s: Mehreren Menschen gegenüber behauptet, ich würde im Zuge des Berlin Festivals Jarvis Cocker heiraten: -75 Punkte! Andererseits… So ein etwas älterer Ehemann mit Kind aus der Vorbeziehung stände mir doch ausgezeichnet und ein Ehering würde sicher zusätzlich Punkte bringen, oder?

Dienstag, 28. Juli 2009

Zwischenergebnisse auf dem Weg zum erwachsenen Individuum: Tag 1.

Kathleen hat mich gestern mit Abendbrot versorgt, was als Einsparung angesehen werden kann, jedoch gegen das Selbstversorgerprinzip geht, also 0 Punkte. Alkohol habe ich trotz kurzer mentaler Schwäche nicht getrunken, 1 Punkt. Ich arbeite weiter mangelhaft, erwecke aber immerhin den Anschein geschäftiger Aufmerksamkeit, 0 Punkte. "Alle Anderen" im Kino angeschaut und für realistischer als "Tatsächlich Liebe" befunden, 7 Punkte. Dem Plüschhasen Gute Nacht gewünscht, -5 Punkte. Ich würde sagen, mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, aber wir sind definitiv auf dem richtigen Weg!

Montag, 27. Juli 2009

It´s ok to grow up...

Heute Morgen entschließe ich kurz nach dem Aufstehen, dass ich im Laufe dieser Woche mein Leben in den Griff bekommen werde. Ein kurzer Blick auf mein Konto bestärkt mich in dieser Entscheidung, denn mehr als den reinen Wunsch nach etwas Stabilität verspüre ich nach dem Abgleichen aller Zahlen eine dringende Notwendigkeit. Nachdem meine Mutter mich neulich "schlampig" nannte, setzte sie vor wenigen Tagen noch einen drauf, und gab einer gewissen Besorgnis ihrerseits Ausdruck, was meine Realitätsferne und die damit zusammenhängende offensichtliche "Weigerung erwachsen werden zu wollen" (wie sie es nannte) betrifft. Reflektion ist ja bekanntlich aller Übel Anfang, und im Gespräch mit Heidi versuchen wir herauszufinden, was es mit diesem ominösen Erwachsensein eigentlich auf sich hat. Heißt es, dass man von der Krise aufgrund seiner Investitionen im Bankensektor direkt selbst betroffen ist? Oder dass man keine Jeans und Turnschuhe mehr trägt? Oder dass man für Brot für die Welt oder eine ähnliche Vereinigung spendet? Oder dass man sich bewusst ernährt? Oder dass man Vorhänge und Lampen in der Wohnung aufhängt und verschiedenste Tischdecken und Stoffservietten besitzt? Oder dass man über den kommenden Monat hinaus plant? Oder dass man sich damit abfindet, dass "Tatsächlich Liebe" nur ein Film ist? Mist! Wenn das so ist, dann hat meine Mutter wahrscheinlich sogar recht! Soviel zur Herleitung!

Ich habe mir nun einen kleinen Plan zurecht gelegt, um meinen Eintritt in die Erwachsenenwelt zu forcieren: Zunächst werde ich mich einem strikten Sparplan unterwerfen, der beinhaltet, dass ich meine Ausgaben notiere und mir ein festes Wochenbudget zuteile, das es nicht zu überschreiten gilt. Zum Glück habe ich Festival- und Konzerttickets bereits am Samstag erstanden, so dass das außen vor bleibt. Der Urlaub ist in diesem Zusammenhang ein anderes Thema, welches im Rahmen des Erwachsenseins dringend gesondert zu betrachten ist, da Erwachsene gern in fremde Länder reisen, und sich dann schon auch mal etwas gönnen – habe ich mir sagen lassen. Darüber hinaus werde ich meine Arbeit endlich ernster nehmen. Damit habe ich konsequenterweise heute schon angefangen, als ich mir in einem Meeting Notizen zum Thema machte, und nicht die Einkaufsliste erstellte. Außerdem werde ich unter der Woche keinen Alkohol mehr trinken – dafür am Wochenende vielleicht etwas mehr, das machen Erwachsene nämlich um abzuschalten und so. Oder waren das die Quartalstrinker? Nuancen… Meinen Kleidungsstil kann ich aufgrund der Wochenbudgetsituation nun leider nicht verändern, andererseits ist das vielleicht auch nicht nötig, denn wer so ein tolles Gesicht hat, wie ich, bei dem kommt es nur marginal auf die Kleidung an. Was Liebesdinge betrifft, bin ich schon seit längerem etwas zynisch, so dass es auf diesem Gebiet keinen wirklichen Handlungsbedarf gibt, vielleicht könnte ich aber damit aufhören, an Dinge wie "Ausnahmen" zu glauben. Mal sehen. Über meine Fortschritte werde ich tagebuchartig informieren, und für Anregungen, was das "erwachsene Ich" betrifft, bin ich natürlich offen, vielleicht habe ich ja irgendein grundlegend seriöses Accessoire meiner neuen Identität vergessen? Falls das wider Erwarten alles nicht klappt, melde ich mich übrigens demnächst bei Hedonisten Berlin an, natürlich nur um darüber zu berichten, wie abscheulich ich als geläuterte Erwachsene diese ganze Oberflächlichkeit finde.

Freitag, 24. Juli 2009

Questing not coasting

Man hätte meinen sollen, dass es von meiner Seite aufgrund der aktuellen prekären Transportsituation in dieser wundervollen Stadt mehr Geschichten aus der S-Bahn geben würde (nach dem Prinzip mehr Menschen = mehr Geschichten), aber dieses ständige Eindringen wildfremder Leute in meine persönliche Distanzzone schürt in mir einen derartige Ekel, sowie die Angst vor Schweinegrippe und Taschendiebstahl, dass ich nicht mehr in der Lage bin, mich zu konzentrieren und aus dem Händewaschen auch nicht mehr rauskomme. Aufgrund meiner schier unglaublichen Intelligenz heißt das jedoch nicht, dass nicht trotzdem verschiedenste, mitschreibenswerte Gedanken durch meinen Kopf schießen. Ich bin dafür, dass endlich mal jemand den USB-Stick fürs Gehirn erfindet, um derlei Dinge zwischenspeichern zu können. Nähe ist ein zweischneidiges Schwert, denke ich, während ich zwischen Schönhauser Allee und Gesundbrunnen das typische FIB-Gefühl jedoch leider ohne die dazugehörige Musik und den Alkoholpegel habe: der Schweiß läuft mir den Körper runter und meine Sonnenbrille beschlägt, während ich versuche, nicht allzu angeekelt auszusehen, wenn ein nasser Arm den meinen berührt. Etikette ist mehr als nur ein Wort für mich. Apropos FIB: Das war ja früher auch so ein Pflichttermin, und die Tatsache, dass ich jetzt für 2 Jahre nicht mehr in Benicàssim war, bedeutet, dass ich dieses Kapitel für mich selbst als beendet betrachte. Dass dann gleich das Festivalgelände abbrennt und die Bühnen umfallen, kommt für mich einem Zeichen des Himmels gleich, und ist - wenn man es recht bedenkt - auch nur verständlich. Wie dem auch sei, endlich geht nun auch diese sehr lange Woche ihrem Ende entgegen. Wenn man schon kurz nach dem Aufstehen das Bedürfnis nach einem Gin Tonic verspürt, dann heißt das jedoch nicht zwingend, dass sich die düsteren Wolken eines drohenden Alkoholismus über einem zusammenziehen, sondern eher dass die Dinge dieses Wochenende mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit und geradezu mit Ansage aus dem Ruder laufen werden. Wer will es uns verübeln? Eben!

Mittwoch, 22. Juli 2009

Life is a game we play.

In letzter Zeit scheint es mal wieder an allen Fronten Bewegung zu geben. Ich möchte am liebsten (zum etwa tausendsten Mal diesen Monat) meinen Bürojob hinschmeißen und beginnen, die Geschichten der Menschen in meinem Umfeld aufzuschreiben, wobei ich mich Frage, ob es Psychologen eigentlich manchmal langweilt, wenn sie das ausgekotzte Seelenleben ihrer Patienten betrachten. Neulich abends schaute ich mir mal wieder den Film Closer in der Gewissheit an, dass dabei immer die Gefahr besteht, dass ich mir hinterher mit einem meiner Sonnenbrillengläser die Pulsadern aufschneide. Jedoch nichts dergleichen, selbst das gesamte Album "O" von Damien Rice war dieses Mal nicht essentieller Teil des üblichen Bades in Selbstmitleid, dem ich mich sonst so gern mal hingebe. Nein. Im Grunde brachte es mich kombiniert mit meinen Aufzeichnungen aus dem Monat Februar diesen Jahres sogar zum Lachen. Wenn man ab und an mal wieder hinfällt, ist doch der Moment, in dem man auf dem Boden aufschlägt, der allerbeste. Oder wie Mando Diao sagen würden:

Gunned down in a fight
It was a bloody pleasure
Though I couldn't walk
I'm not dead I smell the pavement
At the end there's a light

In diesem Sinne: Aufstehen und weitermachen. Nur niemals die gnadenlose Selbstüberschätzung verlieren – alles andere wäre Verrat am Ich, und das ist ja wohl (neben verschenktem Talent) das Schlimmste, was es überhaupt gibt.