Dienstag, 30. September 2014

Anders als gedacht.

Ich glaube, es war Loriot, der einmal sinngemäß sagte, dass die Komik der Menschen in der Differenz zwischen Fremd- und Selbstwahrnehmung liege. So gesehen, sei jeder Mensch also auch irgendwie komisch. Kennen Sie das, wenn Sie alte Fotos von sich anschauen und laut ausrufen mögen "SO sah ich also aus? Ach du meine Güte!"? Darüber wollte ich jetzt gar nicht schreiben, aber beim Aufräumen eines Laptops stieß ich auf eine Reihe recht alter Fotos und war... sagen wir mal... überrascht. Da ich insgesamt schon länger nichts mehr geschrieben habe, kann ich auch damit anfangen. Damit anfangen und nicht recht wissen, wie weiter machen, denn es ist viel passiert in den den letzten Wochen und Monaten und das hier ist zwar nicht mein Tagebuch, aber irgendwie doch eine Art Logbuch. Fassen wir uns also mal kurz, denn die Realität (die es im Grunde nicht gibt, weil alles eine Frage der Wahrnehmung ist, aber das würde jetzt vielleicht auch zu weit führen) sieht folgendermaßen aus:

+ ein Freund
- ein Job

Das nicht mehr arbeiten müssen, hat den Vorteil, dass man mal wieder ein bisschen Zeit für sich selber hat. Seltsamerweise lese ich kaum und schreibe auch nicht sonderlich viel, im Grunde mache ich fast gar nichts, außer Sport, Menschen treffen, Bier trinken, ausruhen, wobei besonders Letzteres unter Umständen auch einfach dringend notwendig ist. Ich scheine in sehr absehbarer Zukunft eine wahnsinnige Chance an der Jobfront zu bekommen, da werde ich wahrscheinlich alle Kräfte brauchen können, und somit ist es vielleicht schlau, jetzt nicht die Energie zum Fenster rauszuwerfen. Vielleicht entspricht dieses Herunterfahren aber auch einfach meinem Charakter? 

Zum Thema Liebe traue ich mich nicht sonderlich viel zu sagen, nur nicht kaputt-reden! Getreu dem Motto: If it´s not broken, don´t fix it. Es ist gut. Sehr gut sogar! Sicher nicht die Lösung aller Probleme, viel mehr eine neue Quelle für Grübelei und ein fast nicht mehr gekanntes Hinterfragen der eigenen Person, schließlich fallen einem die eigenen angesammelten Verschrobenheiten viel deutlicher auf, wenn sie durch eine Person gespiegelt werden, der man gern gefallen will.

Der Herbst 2014: an allen Fronten Bewegung. 

Dienstag, 20. Mai 2014

It's ok to grow up, just as long as you don't grow old. Face it; you are young.

Man ist nie zu alt, etwas gänzlich Neues zu lernen. Man ist auch nie zu alt, sich das Handgelenk zu brechen, oder sich irgendeine andere absurde Verletzung zuzuziehen. Letzteres sollte einen aber auf gar keinen Fall aufhalten!

Ein nicht zu verachtender Vorteil des Älterwerdens ist, dass man Schritt für Schritt dem Wahn der Jugend entkommt, sich auf gar keinen Fall der Lächerlichkeit preisgeben zu dürfen. Im besten Falle entspannt man sich dahingehend so weit, dass die Triebfeder des eigenen Tuns (abgesehen von den notwendig erscheinenden Sachzwängen, die einem vom Leben ständig aufgeherrscht werden) irgendwann einfach Spaß ist. 

Wir machen also eine Skatekurs. Und wenn ich sage "Skate", meine ich nicht etwa Inline-Skates, das können wir schließlich längst, wenn auch leidlich. Nein, ich meine SKATEBOARD. Ja, Skateboard, das bevorzugte Fortbewegungsmittel cooler, draufgängerischer, später gern schwer tätowierter Jungs mit zweifelhaftem, wenn auch keineswegs schlechtem Musikgeschmack, die durchs Leben flitzen und hier und da wie nebenbei die Herzen kleiner, romantischer Mädchen brechen. Oder eben das beliebteste Gefährt unerschrockener Kinder, und von Letzteren treffen wir eine Menge in unserem Kurs in der Skatehalle in Friedrichshain. Tatsächlich ist die Altersstruktur im Anfängerkurs so, dass das kleinste Kind etwa 5, das größte vielleicht 14 Jahre alt ist. Dann kommt  - abgesehen von unserem Lehrer (sicherlich aus Kategorie 1) ungefähr 20 Jahre nichts und schließlich wir. Wir - glücklicherweise befreit von der Angst vor Lächerlichkeit. Nach etwa 7 Minuten auch befreit von der Angst, krachend auf den Holzboden der Halfpipe zu fallen. 

Die Halfpipe ist übrigens ein interessanter Ort, wo wir uns etwa 90 Minuten aufhalten, um zu lernen, wie man aufs Skateboard aufsteigt, losfährt,  günstigstenfalls stehen bleibt und schließlich wieder abbremst. Des weiteren erfahren wir am eigene Leib, wie man richtig auf die Knie fällt und zur Auflockerung rutschen wir auf dem Hintern von oben die Halfpipe herunter. Es fühlt sich nicht so richtig an wie Sport, der Muskelkater der in den folgenden Tagen den ganzen Körper beherrscht, belehrt uns jedoch eines Besseren. Es muss sich bei diesem ganzen Skaten jedoch um eine geheimnisvolle Sache mit Suchtpotential handeln, denn noch Tage später leuchten unsere Augen beim Gedanken an das Brett auf 4 Rollen, die Schmerzen tragen wir wie Orden an der Brust. 

Am Samstag auf ein Neues! Und bis zum Sommer können wir das hier, halten Sie die Augen offen!

https://www.youtube.com/watch?v=4DXBWzuwsxk

Mittwoch, 12. Februar 2014

Here is a list of maybes.

Wir sind durchlässig. Durchlässig und zerbrechlich. Wir sind "auch nur Menschen", Dinge gehen uns nahe, manche Dinge fressen uns auf, an anderen Dingen wachsen wir. Vielleicht. Ein bisschen zumindest. Nichts ist fest. Alles entwickelt sich, alles ist irgendwie im Fluss, "work in progress". Schwer zu sagen, was dieser sogenannte "progress" eigentlich ist, nichts statisches jedenfalls. Jeder andere Mensch im eigenen wackeligen Gefüge ist ein Unsicherheitsfaktor aber gleichzeitig auch eine gewisse Chance. Man geht ein Stück gemeinsam, und den Rest dann immer wieder allein. Zumindest fühlt es sich regelmäßig so an. Es wird zunehmend schwerer, zu akzeptieren, dass diese Für-Immer-Person nicht einfach irgendwie um die Ecke gebogen kommt. So ganz überzeugt man sich selbst wahrscheinlich nie davon. "Man", also "ich". Im Kommunikationskurs wieder nicht aufgepasst - man soll nicht "man" sagen, wenn man "ich" meint. Ich soll also nicht "man" sagen. Ich soll nicht... Wir kontrollieren gar nichts gänzlich, wenn wir das versuchen, zerschellen wir an der Aufgabe. Zasch. 

Ich halte den Laden, also mich selbst, irgendwie zusammen, befestige alles mit Klebeband und Sicherheitsnadeln, das sieht nicht sonderlich schön aus, aber für den Moment, für die kleinen und mittleren Stürme, bin ich so gewappnet. Es läuft. Doch, wirklich! Wenn ein größerer Sturm kommt, wird das ganze Gebäude wahrscheinlich hinfort geblasen, aber binsenweisheitig heißt es ja eh, dass erst alles in die Brüche gehen muss, bevor etwas Neues entstehen kann. Probleme, loszulassen - nicht "man", sondern ich. Ein teuflischer Zirkel, wie es bei Sartre so schön heißt. Irgendwas. kann. jeder. nicht. 

Die Gedanken fliegen mir zu und dann sind sie wieder weg. Bei Olympia wieder den Eiskunstlauf verpasst, hier nicht angerufen, den Geburtstag von soundso vergessen, Winterschwere in den Beinen und noch irgendwo. Politik. Nicht zu lange drüber nachdenken, dass man nichts NICHTS im großen Gefüge ändern kann. Ausbeutung hier, Umweltzerstörung da, Bankenmacht, mediale Verblendung, Aufstände, Diskriminierung, Grausamkeiten, Lobbyscheiße, aufgeblasene Belanglosigkeiten. Es wird zu viel, biep, biiiiieeeeeppppp... Overload. Kleines Glück. Festhalten. Weitermachen. Don´t cry. Work! 

Dienstag, 14. Januar 2014

Keep Yourself Warm.

Die Stadt ist voller Male und Narben. Weißt Du noch, hier, wie Du im Dunkeln nachts durch den Park eiltest und dachtest, Dein letztes Stündlein hätte geschlagen. Und dann kamst Du auf der anderen Seite raus, hysterisch lachend und froh über die letzte Zigarette im Päckchen? Oder da, das Treffen auf dem Pier mit Sonnenuntergang und Mücken und Rotwein und Herzklopfen? Immer einfach mal loslaufen und schauen, was passiert, denn irgendetwas passiert immer! Den Kopf auf den Tresen legen, Runden auf dem Flugfeld drehen, harte Türpolitik und drinnen nicht verstehen, wie das vor sich geht. Tanzen! Immer wieder tanzen! Und abtrinken, nachfüllen, rumstehen, schauen, wortlos verstehen. Ja, warum denn nicht? Hat doch niemand was anderes gesagt. Nech? NECH? Weißt Du noch dort, die Tränen an der Ampel, in der Ringbahn, unterm Couchtisch, am Müggelsee? Dieses fortwährende Umfallen und dann immer wieder aufstehen müssen, man stirbt ja nicht dran, nicht? Und da hinten, Einsamkeit in Halensee, Aufwachen im Westend, die Tasche leer, die Schnauze voll. Dann schneit es Glitzer und später schwarze Federn. Oder dort, Frisbee spielen im Treptower Park, Pathos am Ehrenmal, die Füße in der Spree, Bier und Gelächter auf der Insel der Jugend oder einem beliebigen Spielplatz. Schaukeln. Hüpfen. Rutschen. Und Kippen, immer wieder Kippen mit Gesprächen über diese sogenannte Welt, die Du nicht verstehst, aus der Du nicht raus kannst, Dich aber auch nur selten richtig drin fühlst. Und da, durch den Wald auf die Stehplätze gehetzt, Heimsieg, Unentschieden, Niederlage, auf ein schnelles in die Abseitsfalle. "Ein Schnelles", das dann meistens zwei Langsame sind. Euphorie. Anflüge von Verzweiflung. Kurz nachgeben, seufzen. Gleichgültigkeit. Tag-Nacht-Tag-Nacht. Dich ständig selber austricksen. Auf dem Balkon sitzen, die Füße auf der Brüstung, Nutella mit dem Löffel aus dem Glas, Ketterauchen und Greyhounds. Meistens zu viel oder eben zu wenig. Die Sache mit dem richtigen Maß, die Dich straucheln lässt.

Du hängst den Stadtplan auf und kennzeichnest Orte mit roten, weißen, blauen, schwarzen Klebepunkten, manchmal alle am gleichen Ort. Wer weniger fühlt, hat mehr Zeit zum Denken, das ist nicht zu verachten. Dennoch: To be alive at all is to have scars.

Freitag, 27. September 2013

Eintragung ins Nichts.

Herbst! ...und das Leben hastet wieder von einem Ereignis zum nächsten - man kommt fast nicht mit. Ich weiß nicht genau, ob es eine Frage des Alters, der erlittenen Niederlagen und Rückschläge oder einfach nur des Charakters ist, jedenfalls fällt es mir besonders in den guten Momenten sehr, sehr schwer, nicht auch mit (mindestens) einem Auge misstrauisch nach der versteckten Kamera zu suchen. 

Es ist also so, dass sich ein paar Dinge wirklich gut entwickelt haben, namentlich vor allem ein neuer Job und ich habe (um es mit Andy Möller zu sagen) "vom Feeling her ein gutes Gefühl" bei der Sache, ich glaube nämlich, dass die Stelle und ich ausgesprochen gut zueinander passen. Ganz generell kann man wahrscheinlich sagen, dass sich in meinem Leben "die Dinge" oft sehr positiv fügen, nicht selten vor allem dann, wenn ich es am wenigsten erwarte. Selbst, wenn die Umstände eher schlecht sind, ist zumindest das Timing meistens ganz gut, es gibt gewissermaßen also durchaus Grund zu der Annahme, ich sei ein ziemliches Glückskind. Das Problem ist: Ich glaube es einfach nicht, vertraue auch dem Gefühl nicht richtig, weil ich immer erwarte, dass das dicke Ende sicher nur ein paar Meter entfernt sein kann, was wiederum historisch noch nicht einmal belegt ist. Kurios. Also doch eine Charakterfrage? Andererseits, was ist schon Charakter? Hunde, Weine und Käse haben Charakter. So gesehen, gehen wir mal davon aus, ich habe gar keinen.

Was bleibt also, einmal befreit von der Bürde der Annahme eines Charakters und jeder in seiner Blase sitzend? "Man muss nur die Nerven behalten, schon löst sich alles wie von selbst." Glauben Sie mir, ich mache schließlich mit bei dieser Sisyphosarbeit, nicht zu verbittern, und es stimmt - (spätestens) zuletzt findet sich immer eine Normalität, mit der man leben lernt. 

Mittwoch, 11. September 2013

So seltsam durch die Nacht.

Es war natürlich im Grunde nur eine Frage der Zeit, bis ich wirklich richtig auf Gisbert zu Knyphausen kommen würde. Nun ist es also so weit: Gisbert und nebenher ein paar Seiten Miller / Herrndorf / Bukowski / Goetz. Zur Abwechslung ab und an mal Midlake hören, die neue Babyshambles oder Bon Iver. Dazu Kapuzenwetter, alles atmet bereits Ende, da muss man nicht mal genau hinschauen. Wir kennen das ja und wir wissen auch, was es bedeutet, machen wir uns keine Illusionen. Wissen Sie, welcher Gedanke mich seit geraumer Zeit umtreibt? Natürlich wissen Sie es nicht, wie auch? Also, ich kam darauf, als ich mich im letzten Winter mit Rocko Schamoni beschäftigte und mir im Rahmen dessen mehrfach dieses "Zimmer Frei" mit ihm ansah, bei dem Christine Westermann, von der ich gewöhnlich ziemlich viel halte, eben nicht schnallt, was er meint mit dieser Traurigkeit, mit dem dunklen Element, mit den schwarzen Vögeln. Fast hätte ich gesagt "Sie wissen schon?", aber vielleicht wissen Sie es (wie Christine W.) eben auch einfach nicht? Man geht immer von sich selbst aus, das ist nur natürlich, und es braucht schon eine gehörige Menge Empathie, um einen anderen Standpunkt nachvollziehen zu können. Vielleicht ist das in Gänze auch gar nicht möglich, aber allein der Versuch ist aller Ehren wert.   

Wie dem auch sei. Es wird (bzw. ist?) also Herbst und "die Dinge" sind auf eine Art und Weise in Bewegung geraten, die ich bis dato so ziemlich unter traumhaft verbuchen würde. Das alles hat nichts mit Romantik zu tun, es handelt sich also (mal) nicht um diesen Quickfix für schlichte Gemüter - wollen wir ihn einfach Liebe nennen. Selten lag in dieser Zeit, kurz vor den hochgeschlagenen Mantelkrägen, in meiner Welt mehr Hoffnung. Und all das trotz Gisbert. Ziehen Sie sich das mal rein!  

Freitag, 19. Juli 2013

Summer - the unfulfilled promise of spring?

Können Sie sich noch an Ihre Kindheit erinnern, als die Sommer unendlich und die Winter schneereich waren? Ist das eine Illusion, die man dem Zahn der Zeit zurechnen muss? Erscheint es nicht im Herbst immer so, als hätte man maximal die Hälfte der Dinge getan, die man sich noch im Frühling für den Sommer, den alten Scharlatan, vorgenommen hatte? Nun, im Augenblick will ich mich nicht beschweren, denn sie ist da und überraschend stabil: Die Zeit der lauen Sommerabende, an denen man bis ganz zum Schluss und maximal am Ende mit einem leichten Frösteln ohne Jacke draußen sitzt und im besten Fall Bier trinkt, gute Gespräche führt und Zigaretten raucht (seit der Fusion drehe ich mit meinen "krummen Pfoten" (wie mein liebenswerter älterer Bruder sagen würde) übrigens selbst und habe seitdem noch mehr(!) Spaß am Rauchen).

An einem dieser lauen Sommerabende renne ich also nach Hause, um mich ein letztes Mal in die Arme von Amory Blaine zu werfen und meinen Kopf in seiner Schulter zu bergen. Naja, das Rennen muss man vielleicht doch auch dem Umstand zuschreiben, dass ich ausgereizt habe und dringend "mal muss" (worum ich Männer in diesem Zusammenhang beneide, habe ich ja an anderer Stelle schon einmal festgehalten), aber was mich wirklich nach Hause zieht, sind Amory Blaine, mein Sofa und Midlake. Fitzgerald gelang in meinen Augen ja immer wieder das Kunststück, auf den ersten Blick wenig sympathische Charaktere so zu beschreiben und zu erklären, dass man sie nach ein paar Seiten versteht und bei Identifikation mit einigen ihrer Züge auch ins Herz schließt. Als ich meine Schlafenszeit überspanne und "This Side Of Paradise" schließlich ausgelesen habe, fühle ich mich literarisch verwaist, gleichzeitig erkannt und um einen imaginären Freund reicher.

"I'm not sentimental - I'm as romantic as you are. The idea, you know, is that the sentimental person thinks things will last - the romantic person has a desperate confidence that they won't."