Donnerstag, 28. März 2013

Fade Away.

Die Mutter eines sehr guten Freundes liegt im Sterben. Es handelt sich nur noch um Tage, vielleicht Wochen. Es war abzusehen, sie hat schon viel länger und in besserem Zustand "durchgehalten" als die Ärzte erwartet und vorhergesagt hatten. Und natürlich ist es der Lauf der Dinge, dass Menschen sterben (darüber wie furchtbar es wäre, unsterblich zu sein, habe ich mich an anderer Stelle schon einmal ausgelassen), und wenn alles seinen Gang geht, dann sind die Eltern vor den Kindern dran. Aber diese Betrachtung des Großen und Ganzen kann vielleicht später als Trost herhalten, jetzt sind es lediglich Worte und noch mehr Worte. Ich kann selbstverständlich nichts tun. Nur zuhören, wenn das überhaupt hilft. Nicht mal Schnaps kann ich anbieten ("denn wo Kummer ist, ist auch Likör"), dafür bin ich räumlich einfach viel zu weit weg. Er sagt, es sei ein seltsames Gefühl: Einerseits wolle er natürlich nicht, dass sie stirbt, andererseits wünscht er sich manchmal, es sei schon vorbei, all das Leiden und Warten. Sie ist seine Mutter, sie war schon immer da, aber die Krankheit hat sie konsumiert; sie ist wie eine batteriebetriebene Lampe, die langsam immer schwächer leuchtet und schließlich erlischt.

Und da sitzt man nun, heult ein bisschen und fühlt sich stellvertretend wie gelähmt. Dann wieder diese alten Gedanken über alle Endlichkeit. "Das Leben ist zu kurz..." heißt es immer - zu kurz wofür? Zu kurz für nicht erfüllende Jobs und Beziehungen, zu kurz für schlechte Musik, zu kurz für unterirdische Laune, zu kurz fürs Hadern, wollen und doch nicht können? Wir messen unser Unglück meistens am Glück der Anderen, doch darum geht es vielleicht gar nicht. Worum also? 

Einsehen. zum. Schluss. dass. man. weitermachen. muss. 

Montag, 11. März 2013

I had a secret meeting in the basement of my brain.

Der Winter, der nicht weichen will und The National. Eine dunkle Kombination. Seitdem ich in Berlin lebe, habe ich jedes Jahr aufs Neue das Gefühl, dass ich mir den Frühling hart und ehrlich verdient, ja geradezu erkämpft habe. So auch dieses Jahr. 

- und dann war sie kurz übermütig geworden, verführt von einer Woche schönen Wetters, einem Leuchten folgend, das sich als Irrlicht herauszustellen scheint. Same same.

Jeder tut, was er kann, whatever gets you through the night, it´s alright (ya know?). Den Kopf wieder runter, eine Unruhe im Körper; ich weiß nicht, bin ich auf der Jagd oder auf der Flucht? Diese Leere füllen mit Büchern, Freunden, Schnaps, Kippen, Bundesligakonferenz und Marx. Nicht die schlechteste Lösung, wobei das natürlich keine "Lösung" im engeren Sinne ist. Direkte Zusammenhänge zwischen Wut, Angst, Frustration und Dunkelheit werden erkannt, weil sie bekannt sind. Es ist immer das Gleiche, es handelt sich nicht um höhere Physik, dies ist kein Raumschiff, es ist nur das kleine Einmaleins der alten Verzagtheit und Unsicherheit, ein Rad also. Immer im Kreis. Sie brauchen sich nicht anzuschnallen, Sie kennen das schon.

Ich lese "Sternstunden der Bedeutungslosigkeit" von Rocko Schamoni und fühle mich teilweise geradezu ertappt. Wenn man sich "so" fühlt, dann kann man nicht wirklich was machen, dann hält man es eben aus und kompensiert die kleine Traurigkeit im besten Fall mit Humor. Es könnte schlimmer, aber das könnte es ja immer, nicht wahr?