Freitag, 31. Juli 2009

Morgenluft: Tag 4

Ich habe es mir abgewöhnt, zu fazitieren. Das ist mir einfach zu kindisch, und Chuck findet es auch nicht gut, aber als ich heute Morgen leicht verkatert aufwachte und mir die Sonne gnädig ins Gesicht schien, machte plötzlich die Formulierung "Morgenluft wittern" Sinn für mich. Ich kann mir nach dem gestrigen Abend mit der Family of Friends, Pappa Ante Portas, Weißwein, 2kg Kartoffeln und 7 Litern Senfsoße schon ganz gut erklären, warum das so ist, aber da gibt es noch etwas Anderes, etwas Unbestimmtes. Vielleicht sollte ich einfach mal wieder ausschlafen? Vielleicht sollte ich aber auch genau das Gegenteil davon tun? Ich frage mich, was wohl Freud dazu sagen würde. Sicherlich nicht: xoxo…

PS: Bis Montag werden keine Erwachsenen-Punkte gezählt!

Donnerstag, 30. Juli 2009

Zäsur: Tag 3


In Anbetracht der Tatsache, dass das Wochenende vor der Tür steht, wobei nach guter alter Madrider (– hach, Madrid! –) Tradition dasselbe ja auch gern mal am Donnerstag losgehen kann, habe ich mich entschlossen, eine kleine Pause vom erwachsenen Ich zu nehmen – all diese Seriosität war ja sogar für mich selbst schon nicht mehr zu ertragen. Heute Morgen ging es soweit, dass ich mir einen Pferdeschwanz gebunden habe, um auszusehen wie jenes Joghurette Modell, dass da locker flockig durch den Park trabt, behauptet, man könne durchaus Schokolade essen, und trotzdem ein erfülltes schlankes Dasein haben und dabei ganz unerträglich in sich selbst zu ruhen scheint. Wir haben genug von diesem verlogenen Scheiß!!! Stattdessen bereite ich mich jetzt auf das Supershirt Konzert am Samstag vor, koche nebenher meine weltbekannte Senfsoße in industriellen Mengen, freue mich jetzt schon auf den ersten Drink und versuche ganz nebenbei noch die eine oder andere Folge Gossip Girl in meine Freizeit zu quetschen. Gut, dass heute keine Punkte gezählt werden, so kann ich ja jetzt auch gestehen, dass ich voll in Chuck verliebt bin, und versuche diese Geste, die er macht, wenn er nach unten blickt und sich dabei mit Daumen und Zeigefinger an die Nasenwurzel fasst, und die aussagt, dass man von der ganzen beschissenen Mittelmäßigkeit und Stumpfsinnigkeit um einen herum aber sowas von angeekelte ist, so oft es geht in meinen Alltag einzubauen. Bisher Unverständnis auf der ganzen Linie, da hilft nur üben, üben, üben! Dieses Wochenende gehe ich damit übrigens in den Feldversuch, man darf gespannt sein. In diesem Sinne: xoxo

Mittwoch, 29. Juli 2009

Stagnation: Tag 2

Wahrscheinlich ist das meiner Ungeduld geschuldet (-3 Punkte), aber irgendwie habe ich das Gefühl, ich stagniere in diesem Prozess (Selbstkritik & Einsicht: 2 Punkte)! Gestern kein Alkohol (1 Punkt), mangelhaftes Arbeiten (0 Punkte), zu viel Zeit auf Facebook (-1 Punkt, andererseits: Wer legt fest, wann es zu viel ist?), und jetzt kommt´s: Mehreren Menschen gegenüber behauptet, ich würde im Zuge des Berlin Festivals Jarvis Cocker heiraten: -75 Punkte! Andererseits… So ein etwas älterer Ehemann mit Kind aus der Vorbeziehung stände mir doch ausgezeichnet und ein Ehering würde sicher zusätzlich Punkte bringen, oder?

Dienstag, 28. Juli 2009

Zwischenergebnisse auf dem Weg zum erwachsenen Individuum: Tag 1.

Kathleen hat mich gestern mit Abendbrot versorgt, was als Einsparung angesehen werden kann, jedoch gegen das Selbstversorgerprinzip geht, also 0 Punkte. Alkohol habe ich trotz kurzer mentaler Schwäche nicht getrunken, 1 Punkt. Ich arbeite weiter mangelhaft, erwecke aber immerhin den Anschein geschäftiger Aufmerksamkeit, 0 Punkte. "Alle Anderen" im Kino angeschaut und für realistischer als "Tatsächlich Liebe" befunden, 7 Punkte. Dem Plüschhasen Gute Nacht gewünscht, -5 Punkte. Ich würde sagen, mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, aber wir sind definitiv auf dem richtigen Weg!

Montag, 27. Juli 2009

It´s ok to grow up...

Heute Morgen entschließe ich kurz nach dem Aufstehen, dass ich im Laufe dieser Woche mein Leben in den Griff bekommen werde. Ein kurzer Blick auf mein Konto bestärkt mich in dieser Entscheidung, denn mehr als den reinen Wunsch nach etwas Stabilität verspüre ich nach dem Abgleichen aller Zahlen eine dringende Notwendigkeit. Nachdem meine Mutter mich neulich "schlampig" nannte, setzte sie vor wenigen Tagen noch einen drauf, und gab einer gewissen Besorgnis ihrerseits Ausdruck, was meine Realitätsferne und die damit zusammenhängende offensichtliche "Weigerung erwachsen werden zu wollen" (wie sie es nannte) betrifft. Reflektion ist ja bekanntlich aller Übel Anfang, und im Gespräch mit Heidi versuchen wir herauszufinden, was es mit diesem ominösen Erwachsensein eigentlich auf sich hat. Heißt es, dass man von der Krise aufgrund seiner Investitionen im Bankensektor direkt selbst betroffen ist? Oder dass man keine Jeans und Turnschuhe mehr trägt? Oder dass man für Brot für die Welt oder eine ähnliche Vereinigung spendet? Oder dass man sich bewusst ernährt? Oder dass man Vorhänge und Lampen in der Wohnung aufhängt und verschiedenste Tischdecken und Stoffservietten besitzt? Oder dass man über den kommenden Monat hinaus plant? Oder dass man sich damit abfindet, dass "Tatsächlich Liebe" nur ein Film ist? Mist! Wenn das so ist, dann hat meine Mutter wahrscheinlich sogar recht! Soviel zur Herleitung!

Ich habe mir nun einen kleinen Plan zurecht gelegt, um meinen Eintritt in die Erwachsenenwelt zu forcieren: Zunächst werde ich mich einem strikten Sparplan unterwerfen, der beinhaltet, dass ich meine Ausgaben notiere und mir ein festes Wochenbudget zuteile, das es nicht zu überschreiten gilt. Zum Glück habe ich Festival- und Konzerttickets bereits am Samstag erstanden, so dass das außen vor bleibt. Der Urlaub ist in diesem Zusammenhang ein anderes Thema, welches im Rahmen des Erwachsenseins dringend gesondert zu betrachten ist, da Erwachsene gern in fremde Länder reisen, und sich dann schon auch mal etwas gönnen – habe ich mir sagen lassen. Darüber hinaus werde ich meine Arbeit endlich ernster nehmen. Damit habe ich konsequenterweise heute schon angefangen, als ich mir in einem Meeting Notizen zum Thema machte, und nicht die Einkaufsliste erstellte. Außerdem werde ich unter der Woche keinen Alkohol mehr trinken – dafür am Wochenende vielleicht etwas mehr, das machen Erwachsene nämlich um abzuschalten und so. Oder waren das die Quartalstrinker? Nuancen… Meinen Kleidungsstil kann ich aufgrund der Wochenbudgetsituation nun leider nicht verändern, andererseits ist das vielleicht auch nicht nötig, denn wer so ein tolles Gesicht hat, wie ich, bei dem kommt es nur marginal auf die Kleidung an. Was Liebesdinge betrifft, bin ich schon seit längerem etwas zynisch, so dass es auf diesem Gebiet keinen wirklichen Handlungsbedarf gibt, vielleicht könnte ich aber damit aufhören, an Dinge wie "Ausnahmen" zu glauben. Mal sehen. Über meine Fortschritte werde ich tagebuchartig informieren, und für Anregungen, was das "erwachsene Ich" betrifft, bin ich natürlich offen, vielleicht habe ich ja irgendein grundlegend seriöses Accessoire meiner neuen Identität vergessen? Falls das wider Erwarten alles nicht klappt, melde ich mich übrigens demnächst bei Hedonisten Berlin an, natürlich nur um darüber zu berichten, wie abscheulich ich als geläuterte Erwachsene diese ganze Oberflächlichkeit finde.

Freitag, 24. Juli 2009

Questing not coasting

Man hätte meinen sollen, dass es von meiner Seite aufgrund der aktuellen prekären Transportsituation in dieser wundervollen Stadt mehr Geschichten aus der S-Bahn geben würde (nach dem Prinzip mehr Menschen = mehr Geschichten), aber dieses ständige Eindringen wildfremder Leute in meine persönliche Distanzzone schürt in mir einen derartige Ekel, sowie die Angst vor Schweinegrippe und Taschendiebstahl, dass ich nicht mehr in der Lage bin, mich zu konzentrieren und aus dem Händewaschen auch nicht mehr rauskomme. Aufgrund meiner schier unglaublichen Intelligenz heißt das jedoch nicht, dass nicht trotzdem verschiedenste, mitschreibenswerte Gedanken durch meinen Kopf schießen. Ich bin dafür, dass endlich mal jemand den USB-Stick fürs Gehirn erfindet, um derlei Dinge zwischenspeichern zu können. Nähe ist ein zweischneidiges Schwert, denke ich, während ich zwischen Schönhauser Allee und Gesundbrunnen das typische FIB-Gefühl jedoch leider ohne die dazugehörige Musik und den Alkoholpegel habe: der Schweiß läuft mir den Körper runter und meine Sonnenbrille beschlägt, während ich versuche, nicht allzu angeekelt auszusehen, wenn ein nasser Arm den meinen berührt. Etikette ist mehr als nur ein Wort für mich. Apropos FIB: Das war ja früher auch so ein Pflichttermin, und die Tatsache, dass ich jetzt für 2 Jahre nicht mehr in Benicàssim war, bedeutet, dass ich dieses Kapitel für mich selbst als beendet betrachte. Dass dann gleich das Festivalgelände abbrennt und die Bühnen umfallen, kommt für mich einem Zeichen des Himmels gleich, und ist - wenn man es recht bedenkt - auch nur verständlich. Wie dem auch sei, endlich geht nun auch diese sehr lange Woche ihrem Ende entgegen. Wenn man schon kurz nach dem Aufstehen das Bedürfnis nach einem Gin Tonic verspürt, dann heißt das jedoch nicht zwingend, dass sich die düsteren Wolken eines drohenden Alkoholismus über einem zusammenziehen, sondern eher dass die Dinge dieses Wochenende mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit und geradezu mit Ansage aus dem Ruder laufen werden. Wer will es uns verübeln? Eben!

Mittwoch, 22. Juli 2009

Life is a game we play.

In letzter Zeit scheint es mal wieder an allen Fronten Bewegung zu geben. Ich möchte am liebsten (zum etwa tausendsten Mal diesen Monat) meinen Bürojob hinschmeißen und beginnen, die Geschichten der Menschen in meinem Umfeld aufzuschreiben, wobei ich mich Frage, ob es Psychologen eigentlich manchmal langweilt, wenn sie das ausgekotzte Seelenleben ihrer Patienten betrachten. Neulich abends schaute ich mir mal wieder den Film Closer in der Gewissheit an, dass dabei immer die Gefahr besteht, dass ich mir hinterher mit einem meiner Sonnenbrillengläser die Pulsadern aufschneide. Jedoch nichts dergleichen, selbst das gesamte Album "O" von Damien Rice war dieses Mal nicht essentieller Teil des üblichen Bades in Selbstmitleid, dem ich mich sonst so gern mal hingebe. Nein. Im Grunde brachte es mich kombiniert mit meinen Aufzeichnungen aus dem Monat Februar diesen Jahres sogar zum Lachen. Wenn man ab und an mal wieder hinfällt, ist doch der Moment, in dem man auf dem Boden aufschlägt, der allerbeste. Oder wie Mando Diao sagen würden:

Gunned down in a fight
It was a bloody pleasure
Though I couldn't walk
I'm not dead I smell the pavement
At the end there's a light

In diesem Sinne: Aufstehen und weitermachen. Nur niemals die gnadenlose Selbstüberschätzung verlieren – alles andere wäre Verrat am Ich, und das ist ja wohl (neben verschenktem Talent) das Schlimmste, was es überhaupt gibt.

Samstag, 18. Juli 2009

Big Fish In A Small Pond.

Wer sich fragt, was eine derart soziale Person, wie ich es nun mal bin, an einem Samstagabend allein vor dem PC macht, dem sei gesagt, dass ich unter einem überdimensionalen Kater leide. Es ist diese Art Beeinträchtigung, die morgens schlimm aussieht, aber nicht unüberwindbar, welche jedoch im Tagesverlauf geschwürartig zu wachsen scheint, und einen dann im Laufe des Nachmittags komplett außer Gefecht setzt. Anders gesagt: Es ist so schlimm, dass nicht mal Gossip Girl und Kamilletee geholfen haben.

Ich war gestern zur Hochzeit einer langjährigen Freundin eingeladen. Für mich selbst überraschend werde ich jetzt keine zynischen Tiraden zum Thema Liebe und der Unstetigkeit und Vergänglichkeit derselben vom Stapel lassen – und das liegt nicht daran, dass ich das nicht kann, wenn ich es recht bedenke, mangelt es mir wirklich nicht an Argumenten DAGEGEN, aber in diesem speziellen Fall handelt es sich um eine Frage des Respekts. Romantische Verklärung ist nichts für Anfänger, im Grunde ziehe ich jedoch den unsichtbaren Hut vor dem Mut zweier Menschen, die sich „vor dem Gesetz verbindlich, in guten wie in schlechten Zeiten, aufrichtig überzeugt und aus reinen, idealistischen Gefühlen heraus handelnd blablabla“ mit 2 Ringen und einer Reihe Unterschriften aneinander binden / ketten.

Entgegen all meiner Erwartungen amüsiere ich mich auf der anschließend Feier übrigens blendend – das mag am Wodka oder aber an der Erleichterung über die Tatsache liegen, dass der bittere Kelch an mir noch mal vorübergangen ist, aber wenn es einem gut geht, wozu dann auch die Motive lange hinterfragen? Irgendwann ist es dann plötzlich sehr spät, es regnet, ich bin sehr betrunken, habe definitiv zu viel geraucht, und meine wackligen Lebensweisheiten im Brustton der tiefsten Überzeugung an die dankbare Zuhörerschaft verteilt, jedoch ohne jemals die mir eigene, von innen kommende Heiterkeit zu verlieren. Und plötzlich trifft mich eine Einsicht wie der Schlag: Mir wird bewusst, dass ich in den letzten Monaten vielleicht vieles schlampig, manchmal nicht zwingend sehr durchdacht, und dennoch im Grunde alles richtig gemacht habe: Ich bin nicht länger ein großer Fisch in einem kleinen Teich, manchmal ist der leichteste Weg nicht unbedingt der beste, und so kommt es dass ich nicht "lieber die Erste in einem Dorf, als die Zweite in Rom" bin.

Mittwoch, 15. Juli 2009

Supersonic!

Bei 15° Außentemperatur und Nieselregen schieben bleiche, sommersprossige Jugendliche in Flip Flops, bauchnabelfreien ärmellosen T-Shirts und kurzen Hosen Kinderwägen durch eine Landschaft, die grüner nicht sein könnte, während über allem der Geruch von Bier, Bratenfett und Curry liegt, und das Radio einfach so zu jeder Tageszeit gute Popmusik spielt. Richtig: Es geht um einen Ausflug nach Großbritannien! Während ich in einem roten Bus über die Tower Bridge fahre und geschwind 10 und 1 zusammenzähle, wird mir klar, dass ich vor fast genau 11 Jahren das erste Mal in London war. Vieles von dem wir dachten, es würde für immer Bestand haben, ist seitdem im großen grauen Brei des Nichts aufgegangen, und Anderes, von dem wir hofften, es sei vergänglich, ist an uns hängengeblieben, wie alter Kaugummi im Haar. So ist das manchmal mit dem Ding, das wir Leben nennen.

Fast alles Britische übt derweil noch immer einen enormen Reiz auf mich aus, auch wenn sich die blinde Anhängerschaft von vor 11 Jahren nun in eine Art fröhlich-entspannte Sympathie gewandelt hat. Ich frage mich, warum ich einst mediterranen Staub und Steine gegen Earl Grey mit einer zarten Note Themse eingetauscht habe, und komme zu dem Schluss, dass es vielleicht nicht immer die klügste Entscheidung ist, seinen Impulsen zu folgen. Wie dem auch sei, man kann halt nicht aus sich raus (falls wider Erwarten doch jemand weiß, wie das geht, spendiere ich gerne mal ein paar Becks und bekomme im Gegenzug einen Anfängerkurs, ja?). Nicht wie sonst führen mich dieses Mal weder Tourismus noch Trinkgelage in die Hauptstadt des Vereinigten Königreichs, nein in diesem speziellen Fall geht es um die reinste meiner Lieben: ich und Oasis, Oasis und ich – wobei ich mich weigere, anzunehmen, dass diese Liebe einseitig ist, schließlich muss man wenn man Leben rettet, wenigstens ein bisschen lieben (3x "Liebe" in einem Satz – eklig diese Sentimentalitäten!). Abgesehen davon – ich müsste es gar nicht sagen, will es aber gern tun – ist natürlich auch die Gesellschaft und sowohl die geistige als auch die körperliche Ver- und Umsorgung wie immer über jeden Zweifel erhaben (thanks Mel!).

Am Sonntag Nachmittag zeichnet sich das Wembley Stadion majestätisch gegen den blauen, mit Wolken gesprenkelten britischen Himmel ab. Ich spüre ein leichtes Ziehen in der Magengegend, was der wundervollen Mischung aus Nervosität und Vorfreude geschuldet ist. Oasis haben sich nicht lumpen lassen, und fahren als Support 3 großartige Bands auf, für die es sich auf jeden Fall lohnt, auch mal 4 Stunden vor dem Auftritt der Gallaghers in Wembley rumzustehen. Außerdem bleibt so mehr Zeit für PINTS und eine eingehende Betrachtung der Umstehenden, so viel sei gesagt: Hut ab! Reverend & The Makers, The Enemy und Kasabian versüßen uns die Zeit vom 4 bis 8, ehe es endlich soweit ist, und wir bei Roll With It durch die Luft fliegen, uns blaue Flecken holen, in irrsinniges Gelächter ausbrechen und in Bier geduscht werden. Ich könnte jetzt detailliert die Setlist wiedergeben, beschränke mich aber darauf zu sagen, dass es einfach großartig war! Ein enorm Noel-lastiges Set voller Klassiker mit Mitgröhl-Garantie sorgt dafür, dass ich endlich wieder klar sehen kann. Bei Whatever blinzle ich dann die Tränen der Rührung weg, was mit beim Masterplan nicht mehr gelingen will. Wie es auch sei das Leben, es ist gut. Nachdem wir zu Tausenden Don´t Look Back In Anger in den Nachthimmel gebrüllt haben, und durch die Bank fest davon überzeugt sind, dass das genau der richtige Ansatz ist, geht das Konzert seinem Ende entgegen. Auf einer Welle der verschwitzten Euphorie werden wir aus dem Stadion getragen, wobei wir mit unserem entrückten Grinsen heller leuchten als der Piccadilly Circus. Ein Fazit? Zu wenig geschlafen, das Konto geplündert und trotzdem mehr als sicher, dass es sich aber sowas von gelohnt hat!

Freitag, 10. Juli 2009

Morgengrauen.

Heute früh sah ich im ZDF Morgenmagazin wahrscheinlich zum ersten Mal in meinem Leben das Wort „Morgengrauen“ ausgeschrieben. (Naja, vielleicht hab ich´s auch schon mal im Graf von Monte Christo oder irgendwo gesehen, jedenfalls blieb es heute das erste Mal wirklich bei mir hängen.) Deutsch ist eine ganz wundervolle Sprache – dachte ich sogleich! Morgengrauen! Ein Wort, wie gemacht für diesen kalten Freitag! Man sollte zugleich noch die Worte Mittagsgrauen und Abendgrauen dazu erfinden und immer wenn´s auch nur halbwegs passt benutzen. So wie heute. Ganztagsgrauen!

Ich finde es seltsam, wenn Fremdwahrnehmung und Eigenwahrnehmung beginnen auseinanderzudriften, da bleibt dann nur die Frage, was zu tun ist. Schließt man sich erst mal ein paar Tage ein, um herauszufinden, wer man denn sein will (und soll)? Oder geht man zurück zu den Wurzeln? Anders gesagt: Im Grunde nichts, was ein paar schöne Wodka Orange, die Family of Friends (danke für diesen schönen Ausdruck, George Clooney, würden wir uns kennen, wären wir liiert!) und OASIS in Wembley nicht wieder an seinen Platz zurückstellen können sollten. Die dazugehörige Fußballmetapher lautet: Schweres erstes Spiel, Mannschaft gut, jedoch noch nicht völlig eingespielt, aber der geneigte Zuschauer will ja auch ein wenig Drama sehen (alle Parallelen zur aktuellen Mannschaft von Real Madrid sind beabsichtigt). In diesem Sinne:

Take the time to make some sense
Of what you want to say
And cast your words away upon the waves
Bring them back with Acquiesce
On a ship of hope today
And as they fall upon the shore
Tell them not to fear no more
Say it loud and sing it proud
And they...

Will dance if they want to dance
Please brother take a chance
You know they're gonna go
Which way they wanna go
All we know is that we don't know
What is gonna be
Please brother let it be
Life on the other hand won't let you understand
Why we're all part of the masterplan

I'm not saying right is wrong
It's up to us to make
The best of all things that come our way
And all the things that came have past
The answer's in the looking glass
There's four and twenty million doors
Down life's endless corridor
Say it loud and sing it proud
And they...

Will dance if they want to dance
Please brother take a chance
You know they're gonna go
Which way they wanna go
All we know is that we don't know
What is gonna be
Please brother let it be
Life on the other hand won't let you understand
Why we're all part of the masterplan

Montag, 6. Juli 2009

Zeitverfluggeschwindigkeit.

Immer wenn ich für ein Wochenende in die Provinz fahre, werde ich am Abreisetag von verschiedensten Menschen gefragt, ob es mich nicht ankotzt, jetzt noch über 2 Stunden mit dem Auto durch die Gegend fahren zu müssen, nur um dann irgendwann müde anzukommen, und mit dem Wissen zu Bett zu gehen, dass ich am darauffolgenden Tag früh aufstehen muss, um zur Arbeit zu gehen. Meine Antworten auf diese Frage sind meist etwas vage, weil ich der Rückreise nach Berlin immer ein wenig ambivalent gegenüberstehe. Es ist seit jeher unschön, dass dem Sonntag der Montag mit all seinen Verpflichtungen folgen muss, aber so weit denke ich Sonntag abends meistens gar nicht – und am Rückreisetag noch weniger, denn dann ist endlich einmal der Weg das Ziel! Ich mag es nämlich allein Auto zu fahren: Nur ich in meinem kleinen Faradayschen Käfig, die Musik meiner Wahl und in letzter Zeit der Sonnenuntergang. Erstaunlicherweise sind das in den letzten Monaten immer die Momente gewesen, in denen ich am tiefsten in mich selbst hineinschauen konnte. Das mag daran liefen, dass Autofahren quasi eine Nicht-Tätigkeit ist, so ähnlich wie Abwaschen nur angenehmer. Man kann nebenher nichts anderes tun, aber es beansprucht im besten Fall nur einen Bruchteil an Aufmerksamkeit, und so hat der Kopf mal Zeit, sich um alles Liegengebliebene zu kümmern. Alles Liegengebliebene ist nicht selten eine Menge – wobei mich andererseits in letzter Zeit auch oft genug das schale Gefühl beschleicht, dass zu viel schon wieder zerdacht und zerredet worden ist.

Ich hatte vor 2 Tagen mein 10jähriges Klassentreffen. Währenddessen ertappte ich mich dabei, dass ich mich fragte, wie meine Gedanken wohl geschrieben aussehen könnten, und es formten sich lauter lustige Sätze in meinem Kopf, denn an bemerkenswerten Momenten mangelte es wahrlich nicht. Ich werde diese Sätze jedoch nicht aufschreiben, weil im Endeffekt etwas ganz anderes bei mir hängengeblieben ist: Es können 10 Jahre vergehen, und außer den Äußerlichkeiten (und manchmal nicht mal das) verändert sich nichts. Das ist nun rückblickend so, aber wenn man realistisch ist, muss man sich vielleicht eingestehen, dass es auch zukünftig so sein wird, will heißen, dass sich Theorie und Praxis auch weiterhin harte Duelle liefern werden, man aber in der Endkonsequenz nicht aus sich selber heraus kann. Ich amüsierte mich trotzdem prächtig, wobei mir während des besten Gesprächs des ganzen Abends dann doch noch eine Sache schmerzlich klar wurde: Irgendwann in den letzten 10 Jahren hat sich etwas umgedreht, und in der Folge kam der Idealismus unter die Räder. Ob man dann gleich zum Zyniker wird, sei dahingestellt, aber ein Drahtseilakt ist es allemal. Warum werden Gurken eigentlich manchmal bitter? Und kann man dieses Prinzip nicht auch irgendwie auf Menschen anwenden? Zur Vermeidung meine ich.

Freitag, 3. Juli 2009

Halbzeit.

In Anbetracht der Tatsache, dass 2009 nun zur Hälfte rum ist, kam mir ein Liedtext in den Sinn, von dem ich mich immer nur an eine Zeile erinnern kann (in dem Sinne ist das dann natürlich kein "Liedtext" mehr, sondern eine Liedzeile, schon klar): "Time is a jet plane, it moves so fast." Ich kenne das irgendwie von Travis, hab´s aber grad kurz gegoogelt, und es ist im Original wohl von Bob Dylan, wobei das Lied "You´re a big girl now" heißt. Passt ja alles ganz ausgezeichnet auf den momentane Augenblick – hatte ich gedacht, aber nein, in Wirklichkeit passen nur der Titel und die Zeile, an die ich mich immer erinnere. Wie dem auch sei. Lange Rede kurzer Sinn, ich hatte mir gedacht, die Zeit ist nunmehr reif, ein Fazit für das erste Halbjahr 2009 zu ziehen! Und das ist schneller getan, als man denkt: Gut war´s! Ausgesprochen gut sogar! Am Anfang ein wenig steinig, aber dann schnell super, und zum Ende hin wurde es sogar immer besser! Vielleicht muss man auch gar nicht mehr sagen, aber wer mich näher kennt, der weiß: Wenige Worte liegen mir einfach nicht! Deswegen geht´s für die ausdauernden Leser hier auch weiter:

Wie es zu jeder denkbaren Lebenssituation mindestens einen Popsong gibt, so gibt es auch immer eine Metapher aus dem Fußball, welche sich auf 2009 gemünzt in etwa so liest: Die vorherige Saison war ziemlich schlecht gelaufen, Bänderriss und Sprunggelenksverletzung des Spielmachers inklusive. Die neue begann dann mit schwierigen Begegnungen auf nahezu unbespielbaren Plätzen. Seltsamerweise waren jedoch alle schneller in Form, als man zu hoffen gewagt hatte, und jedem Anfang wohnt ja sowieso ein Zauber inne – so dass man ganz schnell wieder oben mitspielte. In Q1 wurde dann auch das neue Stadion fertig, in dem man nach und nach einen Sieg nach dem anderen einfahren konnte, alles lief wie am Schnürchen! Die alte Mannschaft passt immer noch hervorragend zusammen, und darüber hinaus konnte man den einen oder anderen mehr als wertvollen neuen Spieler verpflichten, so dass man jetzt zur Halbzeit positiv gestimmt nach vorn schauen kann; vielleicht sogar um den Ligatitel, mindestens aber um einen Champions League Platz spielt. All das hätte man sich zum Ende der letzten Saison nicht träumen lassen, aber es ist natürlich Vorsicht geboten: Ein komfortabler Vorsprung zur Halbzeit soll nicht bedeuten, dass man schon gewonnen hat, schließlich dauert ein Spiel 90 Minuten und wie man weiß, ist nach dem Spiel vor dem Spiel. 10 Euro ins Phrasenschwein und so wie einst Real Madrid: Alles auf eine Karte und auf Angriff spielen – eines ist sicher: Das Publikum liebt uns!