Montag, 6. Juli 2009

Zeitverfluggeschwindigkeit.

Immer wenn ich für ein Wochenende in die Provinz fahre, werde ich am Abreisetag von verschiedensten Menschen gefragt, ob es mich nicht ankotzt, jetzt noch über 2 Stunden mit dem Auto durch die Gegend fahren zu müssen, nur um dann irgendwann müde anzukommen, und mit dem Wissen zu Bett zu gehen, dass ich am darauffolgenden Tag früh aufstehen muss, um zur Arbeit zu gehen. Meine Antworten auf diese Frage sind meist etwas vage, weil ich der Rückreise nach Berlin immer ein wenig ambivalent gegenüberstehe. Es ist seit jeher unschön, dass dem Sonntag der Montag mit all seinen Verpflichtungen folgen muss, aber so weit denke ich Sonntag abends meistens gar nicht – und am Rückreisetag noch weniger, denn dann ist endlich einmal der Weg das Ziel! Ich mag es nämlich allein Auto zu fahren: Nur ich in meinem kleinen Faradayschen Käfig, die Musik meiner Wahl und in letzter Zeit der Sonnenuntergang. Erstaunlicherweise sind das in den letzten Monaten immer die Momente gewesen, in denen ich am tiefsten in mich selbst hineinschauen konnte. Das mag daran liefen, dass Autofahren quasi eine Nicht-Tätigkeit ist, so ähnlich wie Abwaschen nur angenehmer. Man kann nebenher nichts anderes tun, aber es beansprucht im besten Fall nur einen Bruchteil an Aufmerksamkeit, und so hat der Kopf mal Zeit, sich um alles Liegengebliebene zu kümmern. Alles Liegengebliebene ist nicht selten eine Menge – wobei mich andererseits in letzter Zeit auch oft genug das schale Gefühl beschleicht, dass zu viel schon wieder zerdacht und zerredet worden ist.

Ich hatte vor 2 Tagen mein 10jähriges Klassentreffen. Währenddessen ertappte ich mich dabei, dass ich mich fragte, wie meine Gedanken wohl geschrieben aussehen könnten, und es formten sich lauter lustige Sätze in meinem Kopf, denn an bemerkenswerten Momenten mangelte es wahrlich nicht. Ich werde diese Sätze jedoch nicht aufschreiben, weil im Endeffekt etwas ganz anderes bei mir hängengeblieben ist: Es können 10 Jahre vergehen, und außer den Äußerlichkeiten (und manchmal nicht mal das) verändert sich nichts. Das ist nun rückblickend so, aber wenn man realistisch ist, muss man sich vielleicht eingestehen, dass es auch zukünftig so sein wird, will heißen, dass sich Theorie und Praxis auch weiterhin harte Duelle liefern werden, man aber in der Endkonsequenz nicht aus sich selber heraus kann. Ich amüsierte mich trotzdem prächtig, wobei mir während des besten Gesprächs des ganzen Abends dann doch noch eine Sache schmerzlich klar wurde: Irgendwann in den letzten 10 Jahren hat sich etwas umgedreht, und in der Folge kam der Idealismus unter die Räder. Ob man dann gleich zum Zyniker wird, sei dahingestellt, aber ein Drahtseilakt ist es allemal. Warum werden Gurken eigentlich manchmal bitter? Und kann man dieses Prinzip nicht auch irgendwie auf Menschen anwenden? Zur Vermeidung meine ich.

Kommentare:

Polly Pocket hat gesagt…

Gurken werden manchmal bitter, wenn man sie zu wenig gießt oder nicht genug von der Sonne bescheinen lässt. Dagegen hilft nur mehr Aufmerksamkeit (vor der Ernte) oder das Abschneiden der bitteren Enden (nach der Ernte) oder einfach der Anbau einer pflegeleichteren Sorte.

Also frei nach Schopenhauer:
Wir haben immer eine Wahl, nur ändern können wir nichts!

Sally Cinnamon hat gesagt…

Wo soll es denn noch hinführen, wenn jetzt sogar die Gurken mehr Aufmerksamkeit wollen???

melosine hat gesagt…

da fuehle ich nun hingegen schon wieder eine nicht geringes Potential zum Versagen, wenn ich dann am Freitag die Gurken fuer denn Pimms auswaehlen muss.
Was, wenn ich nun eine vernachlaessigte Gurke waehle und unser ganzes Wochenende ruiniere?
So einer Gurke sieht man es ja nicht an den Gesichtszuegen an, ob sie bitter ist oder nicht (wie man das bei Menschen oft tut).
Vielleicht sollte ich mir einfach einen Gurkenvorrat aus verschiedenen Laeden ansammeln, dann wird schon eine Gurke dabeisein, die von Sonne, Wasser und den Erntemaschinen geliebt wurde!
Na dann, prost!

melosine hat gesagt…

irgendwie hab ich den ersten Satz total verhauen, oder? was lernen wir daraus? erst immer nochmal lesen, bevor wir auf den senden-knopf druecken.
eigentlich wollte ich einfach nur sagen, dass ich wahrscheinlich wieder alles total vermassle und eine Armee bitterer Gurken kaufen werde!

Sally Cinnamon hat gesagt…

Keine Sorge meine Liebe, solange sich die Gurken dann im Kelch mit ordentlich Schnaps paaren, sollte alles gut gehen!

Polly Pocket hat gesagt…

Und manchmal ist Bitter im Alkohol ja auch sehr willkommen! ;)

Vielleicht ist das überhaupt die Lösung für bittere Gurken: Einfach rein in den Pimms!!! Wann? Wo? :P

Sally Cinnamon hat gesagt…

...womit wir mal wieder eindrucksvoll bewiesen hätten, dass es für jeden Topf einen Deckel gibt! ;-)

matamala hat gesagt…

joder 7 comentarios!!!!!!!!!!!1

Sally Cinnamon hat gesagt…

Sigue Aitor, ahora ya son 9... :-D