Mittwoch, 23. März 2011

Ratlosigkeit

Demnächst werden sich Spiegel- und ZEIT-Online wahrscheinlich zur Seite meiner Bank auf die Sperrliste gesellen. Kaum ist man mal 1 Stunde weg, geht in Jerusalem eine Bombe hoch und Liz Taylor stirbt, nebenher kann Reaktor 3 aufgrund erhöhter Strahlungswerte nicht mehr gekühlt werden und kein Mensch scheint zu wissen, was in Libyen vor sich geht. Wenn ich frage "Kommt es mir nur so vor, oder wird es denn tatsächlich immer schlimmer?" so handelt es sich dabei um eine rhetorische Frage. Zum Glück kam immerhin heraus, dass Knut der Eisbär an einer Krankheit starb und nicht der Zoodirektor oder sonstwer dafür Rechnung zu tragen hat. Wobei es vielleicht für die Verarbeitung und Einordnung einfacher wäre, wenn man direkt jemanden benennen könnte, der Schuld an all diesen Dingen hat. Ich muss gestehen, dass mir langsam die Betroffenheit ausgeht, und natürlich ist es ein Zeichen totaler Oberflächlichkeit, dass ich hier den Nahost-Konflikt, den Tod eines Film- und eines Zoostars, Libyen und Japan in einem Absatz nenne. Das ist mein ganz persönlicher Biedermeier, mit scheinbar übergroßen Konflikten dieses Moments konfrontiert, widme ich mich Themen, die ich wenigstens halbwegs verstehen kann. Vielleicht wende ich mich auch direkt ganz ab und flüchte mich ins Opium fürs Volk: Fußball, Popkultur und Liebe. Nicht dass es da optimal laufen würde, aber immerhin habe ich in diesen 3 konkreten Fällen das Gefühl, dass mehr Information mich nicht noch mutloser, verzweifelter und lebensverneinender macht.

Es gibt heute kein Fazit, nicht mal einen Ansatz. Nur Ratlosigkeit.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich habe diese Woche (nachdem ich im Berliner Fenster lesen durfte, dass Tausende Menschen mit Tränen und Blumenkränzen ausgestattet einen Bären betrauern gehen) auf tagesschau.de den Beitrag über den aufkommenden Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste mit STR+F suchen müssen...
Ich schließe mich der Fazitlosigkeit an.

Sally Cinnamon hat gesagt…

Nun, dabei ist ja die große Frage, ob man durch weitere haarsträubende Informationen zu noch einem grauenhaften Thema irgendetwas hinzugewinnt - abgesehen von noch mehr Rat- und Hilflosigkeit natürlich. Da ist es vielleicht sogar ein bisschen verständlich, wenn es Menschen gibt, die um einen Bären trauern mit seinem kleinen Drama. Vielleicht ist es ein Pflasterschmerz, das will ich niemandem vorwerfen.

Anonym hat gesagt…

Bei aller Rat- und Hilflosigkeit, so viel Verständnis kann ich leider nicht aufbringen.
Ich finde Alkohol eine gute Lösung, Sonne vielleicht, um sich von den grauenhaften Themen abzulenken...stattdessen Trauern "light" klingt für mich mehr nach einem synaptischen Kurzschluss...
Aber ich bin ja froh, dass es Menschen gibt, die nicht so stark moralapostolisch veranlagt sind wie ich.

Sally Cinnamon hat gesagt…

Was die Sonne und den Alkohol betrifft, werde ich Dir nicht widersprechen, dennoch...

Neulich sagte eine Frau im Radio, dass vor 2 Jahren ihr Mann starb, letztes Jahr ihr Hund und "jetzt auch noch Knut!" - das Lachen bleibt mir im Halse stecken, als ich vom Mitleid mit dieser armen, einsamen Dame übermannt wurde.

Natürlich wäre es edel, am Weltschmerz einzugehen, aber die meisten von uns tun das dann doch "nur" an ihrem eigenen, persönlichen, im Vergleich lächerlich wirkenden Dramen.

Anonym hat gesagt…

Nun liegt mir nichts ferner, als irgendjemandem sein persönliches Leid abzusprechen.
Im Gegenteil, den eigenen Schmerz immer mit der Last der Welt zu relativieren, ist auch nur eine Flucht nach vorn, das macht auf Dauer krank.

Und doch bleibt, wie ich finde, der gute alte Mittelweg. Wenn ich dann von dem Mann und dem Hund nur den Knut abziehe und statt einem armseligen Blumenkranz in den Zoo zu tragen, das investierte Geld spende (oder meinetwegen auch nur jemand Lebendigem eine Freude bereite), ist man dann nicht auf einem besseren (Mittel)weg?