Dienstag, 11. August 2009

I never said I was clever.

Grad fühlte ich mich wie Galadriel, die Elfenkönigin: The world is changed. I feel it in the water. I feel it in the earth. I smell it in the air. Die Sonne kämpft sich mühsam durch die Wolken und taucht den Nachmittag in ein verstörendes milchiges Licht. Durch das offene Fenster höre ich die Weiße Flotte, wie sie die Spree erst rauf und dann wieder runter tuckert. Vom Spielplatz gegenüber dringt das Quietschen einer Schaukel an mein Ohr, außerdem Kinderlachen, die Geräusche eines Fußballs, wie er hin und her gekickt wird. Ein Mann sitzt auf einer Parkbank und spielt Klarinette. Melancholie macht sich in mir breit und trifft dort auf Lustlosigkeit, Müdigkeit, ein wenig Leere, die sich gern auch mal in Panik verwandelt, wenn man nicht aufpasst (schade, dass wir im Deutschen das Wort "saudade" nicht gebrauchen, und auch nicht richtig übersetzen können). Das ist normal, sage ich mir, nach einem von Aktivitäten, Freunden, Alkohol, Musik, Gelächter, Absurdem und Emotionalem übervollen Wochenende stellt sich immer irgendwann so etwas wie ein seelischer Hangover ein. Die Realität ist zurück, das seriöse Leben beharrt auf seinen Raum in meinem Dasein und ich spüre die ersten Anzeichen des Herbstes. Ich freue mich auf Letzteren, bedeutet sein Beginn doch: Den Besuchsmarathon hinter mich bringen, kurz mal innehalten, Gedanken ordnen, die blaue Jacke anziehen und die Kapuze aufsetzen, auf dem Balkon Patxaran trinken, in den Regen schauen, Sonntagnachmittage mit Decke, Buch, Tee auf dem Sofa verbringen, den Sommer vermissen, durch herabgefallene Blätter rascheln, in Pfützen springen, Drachen steigen lassen, vertanen Gelegenheiten nachtrauern, Rilke lesen, Eintöpfe kochen. Ich bin im Oktober geboren. Offensichtlich.

Kommentare:

Johannes hat gesagt…

Zieh die blaue Jacke ueber. Das hilft sicher.

Danke fuer den Blog.

Sally Cinnamon hat gesagt…

Vielleicht kann ich die Katze in die Jackentasche stecken? Das sollte noch mehr helfen.

mole_muc hat gesagt…

>oktobermädchen
es ist noch zu früh für den herbst.

... und wenn die wucht "leben" noch auszuhalten ist - dann ist doch alles wunderbar !

... und jeden tag jarvis cocker ist genauso wie jeden tag pommes mit mayo - es vergibt sich.

... und die spree mit stiller musik ist so wichtig - für den nächsten cocker - sonst bemerkst du den gar nicht.

Sally Cinnamon hat gesagt…

Vielleicht ist es wirklich zu früh für den Herbst, aber ich habe die blaue Jacke trotzdem schonmal angezogen.

Pommes mit Mayo geht trotzdem jeden Tag. Am liebsten an der Spree.