Dienstag, 4. August 2009

Zeichen und Wunder

Man sagt ja, dass einen das Leben dann überrascht, wenn man es am wenigsten erwartet. Manchmal muss man aber selber doch ein wenig nachhelfen. Nach monatelanger Prokrastination ging ich am gestrigen Tag wie angekündigt die gefühlt unmögliche Aufgabe an, meine Waschmaschine anzuschließen. "Selbst ist die Frau" ist eine Aussage, die ich in einem solchen Moment mit einem müden Lächeln quittiere, also setzte ich mich mit einem eingetragenen Fachbetrieb in Verbindung, um das scheinbare Problem schnell und sauber lösen zu lassen. Die freundliche Angestellte wies mich am Telefon darauf hin, dass eine solche Arbeit 50€ kostet, ich das aber mit sehr wenig technischem Verständnis auch selbst erledigen könne, und dafür maximal einen Dichtungsring und eine Klemmschelle benötige. Na super – als ob ich eine Ahnung davon hätte, was das nun wieder ist! Wer mich näher kennt, weiß, dass man mir im hausfraulichen Sektor nur schwer etwas vormachen kann, aber sobald es um eher handwerkliche Tätigkeiten geht, sehe ich ganz schnell ziemlich alt aus.

Kaum war ich aus dem Hamsterrad gesprungen und nach Hause gefahren, googlte ich "Waschmaschine anschließen" und warf einen Blick hinter das Gerät und unter die Spüle – wie meine Mutter es prophezeit hatte, schien tatsächlich alles Nötige vorhanden zu sein: sowohl die verschiedensten Schläuche (na gut, genauer gesagt zwei Schläuche), einer raus, einer rein, als auch den Netzstecker erkannte ich auf Anhieb. Einen kurzen Telefonanruf später, um abzuklären, dass das Wasser nicht einfach so durch die Maschine durchfließen würde, sondern vorher anhielte, und zwar genau so lange, bis ich das Programm wählen und anstellen würde, ging ich aufs Ganze, und siehe da: Sofort lief das Wasser in den Schlauch aber eben auch daneben heraus. Selbstverständlich! Hier käme also nun der Dichtungsring ins Spiel, den ich natürlich nicht besorgt hatte, und nun war es auch nach 8, also alles aussichtslos, denn bei Kaisers kann man vielleicht den guten Landmanngrill besorgen, aber Dichtungsringe haben sie dann doch nicht im Sortiment. Nun kam erstaunlicherweise aber das oft als negativ verschriene Messie-Syndrom zum tragen: Irgendwann hatte ich so eine Art kleines Sieb auf einem Gummiteil auf dem Boden gefunden, und natürlich nicht weggeworfen. Das kombiniert mit meinem analytischen Verständnis brachte mich in die Lage, Schlauch, Wasserhahn und Gummiteil mit Sieb so zusammenzusetzen, dass das Wasser schließlich doch fröhlich gurgelnd in Richtung Maschine lief, ohne für Probleme mit den Unternachbarn zu sorgen. Konsequenterweise verlegte ich meine Abendgestaltung in die Küche, denn wo Wasser rein fließt, muss es ja auch irgendwann wieder raus fließen, und das wollte beaufsichtigt sein. Zu meiner eigenen Überraschung lief alles wie am Schnürchen, keine Wasserschäden, dafür aber saubere Kleidung, ohne dafür Jens behelligen zu müssen. Ich war begeistert und drauf und dran mit stolzgeschwellter Brust meine Mutter anzurufen, bis mir einfiel, dass sie es vielleicht nicht so bemerkenswert fände, dass ich für das Anschließen der Maschine knapp 3 Monate gebraucht hatte. Nichtsdestotrotz möchte ich auf dem Erwachsenenkonto heute gern 45 Punkte verbuchen. Sobald Heidi mir nun hilft, Vorhänge und Lampen anzubringen (das wird so aussehen, dass Heidi das macht, und ich zuarbeite, wobei ich jetzt schon bemerken möchte, dass sich das Wort "Lüsterklemme" nach etwas Schmutzigem anhört), bin ich dann auch vollends in meiner Wohnung angekommen. Ich gebe mir mal noch ein halbes Jahr, ein gutes Pferd springt nämlich immer nur so hoch, wie es eben grade nötig ist.

Kommentare:

Melosine hat gesagt…

hihihihihihi!!!!

ich sollte deinen Blog nicht mehr auf ARbeit lesen. andauerndes gekichere vor Kostendiagrammen ist verdaechtig und wird misstrauisch beaeugt!

Gratuliere zu den 45 Punkten und der sauberen Waesche! ich habe mich aehnlich gefuehlt, als ich damals mit joerdis den Keilriemen einer Waschmaschine ausgetauscht habe. Davor wusste ich ja noch nicht mal, dass ne Waschmaschine so was hat!

Sally Cinnamon hat gesagt…

Kostendiagramme können durchaus auch komisch sein, all die lustigen Zahlen...

Ich kann mich an die Keilriemenaktion übrigens bestens erinnern, nur leider konnte ich nicht warten, bis Du nun auch endlich mal nach Berlin kommst, und meine Waschmaschine anschließt...

frau stoeckel hat gesagt…

ich bin ja so neidisch... und beschämt. ich habe nämlich seit fast 1 jahr eine angeblich funktionstüchtige waschmaschine in der küche stehen, wasche aber immer noch fremd.

folgendes problem stellt sich nämlich bei mir: mir fehlt die zange, um den dichtungsring wirklich dicht zu bekommen. auf den mann, der mir das doch mal beheben würde, warte ich immer noch. vielleicht sollte man an den machoismus der männer appellieren, indem ich hier und jetzt veröffentliche, wer bereits alles in meiner küche war, es jedoch nicht geschafft hat, meine waschmaschine anzuschließen...?

melli, vielleicht kannst du dann doch mal zu mir kommen?

Sally Cinnamon hat gesagt…

1.) Dazu braucht man keine Männer - generell stehen die eh bloß rum, und trinken das Bier leer!
2.) Du kannst bei mir fremdwaschen - das ist auch nicht so weit und gratis!
3.) Ich schließe die Maschine demnächst mal an, kenne mich jetzt ja aus und weiß nun, was ein Dichtungsring ist (an der nicht angeschlossenen Spülmaschine ist einer dran).

mole hat gesagt…

erwachen ?

als kind war ich mal „neun“
mit neun kündigte ein hinweisschild auf meinem
lieblingsspielplatz an, dass das spielen für Kinder
hier nur bis vierzehn erlaubt sei – eine welt wird
fugenlos, wo soll ich hin wenn ich vierzehn bin ?

mit fünfzehn, in der handwerkerlehre war klar
„… im Büro arbeiten – das geht gar nicht“

mit sechsundzwanzig, im freitagsclub beim
dead can dancen – sah ich fünfundvierzigjährige
die mit spass den mussolini tanzten – mei das
sah schon etwas seltsam aus – diese alten säcke.

mit sechsundvierzig sah ich jana pallaske im
atomic mit ihren Spitting Off Tall Buildings,
kein begehren nach weiblichkeit sondern die
vision „… mei wenn das deine Tochter wär – cool“.

mit achtundvierzig brennt die FIB-wiese und der
ordner zeigt auf den wartebereich wo die eltern
ihre Töchter abholen – ich zeige ihm den vogel.

und jetzt warte ich auf den tag an dem in der U-Bahn
jemand für mich aufsteht – wahrscheinlich so ein
wohlerzogener csu-ler – aber auch er bekommt den vogel !

erwachsen – gewachsen – kontostand – was soll dass ?
dieses thema wird überschätzt

wichtig ist die vermeidung des stillstandes – mein bruder war
mit dreiundzwanzig schon so erwachsen stillgestanden, wie ich
es nie sein werde – im büro arbeitend mit sieben angestellten
und immer noch ohne fetten kontostand.

Polly Pocket hat gesagt…

Vermeidung des Stillstandes ist die Parole!
Allerdings versuche ich gerade zu ergründen, wie ich das zu deuten habe, dass ich mit dreiundzwanzig irgendwie erwachsener auf mich selbst gewirkt habe als jetzt - 10 Jahre später...

Sally Cinnamon hat gesagt…

Ich weiß nicht recht; vielleicht sollte man den Stillstand als solchen nicht pauschal verteufeln, zumindest so lange er nicht zum Programm wird, oder wie Nietzsche schon wusste: "Die eigentlichen Epochen im Leben sind jene kurzen Zeiten des Stillstandes, mitten inne zwischen Aufsteigen und Absteigen eines regierenden Gedankens oder Gefühls. Hier ist wieder einmal Sattheit da: Alles andere ist Durst oder Hunger – oder Überdruss." Anders gesagt: Ab und zu mal durchatmen, sich sammeln, fazitieren, ist vielleicht auch nicht das Schlechteste, dieser ständige Hunger nach Veränderung kann nur allzu leicht einem Fluchtverhalten gleichkommen – Flucht vor sich selbst? Kann sein.