Mittwoch, 12. August 2020

In geregelten Bahnen

Es herrscht: das Sommerloch. Und so sitze ich ab und an vor dem Rechner und lese in den alten Blog (es heißt wohl eigentlich "das Blog", aber das hört sich in meinen Ohren seltsam an) rein und kichere ein wenig und wundere mich auch ein bisschen. 5 Jahre Schweigen und dann wundert die sich. Wundert sich über die Zeitverfluggeschwindigkeit und das Altern und darüber, dass man wohl nie fertig wird mit sich und den Anderen und dem Leben und den Ungerechtigkeiten – den gefühlten und den echten. Und wer ist überhaupt die Irre, die da in meinem Namen Blog geschrieben hat (clever den Artikel vermieden)?

 

Das Leben läuft - wie der Titel schon vermuten lässt - derzeit in geregelten Bahnen. Ich führe seit 6 Jahren eine gesunde, stabile Beziehung. Das hätte ich selber auch mal nicht erwartet, hatte ich doch zeitlebens ein sicheres Händchen für die Unmöglichen unter Abweisung derer, die gewollt hätten und vielleicht sogar gut für mich gewesen wären. Aber so ergab und ergibt ja jetzt auch alles Sinn und ich denke, beim Richtigen gelandet zu sein. Außerdem bin ich seit ein paar Jahren am genau richtigen Ort angestellt, ich zähle nicht mehr die Stunden bis zum Feierabend, sehe Sinn in meinem Tun, mag meine durchaus sehr unterschiedlichen Kollegen und fühle mich wohl hier. Hey, vielleicht gehe ich in 30 Jahren sogar bei dieser Arbeitgeberin in Rente! 30 Jahre... würde ich nicht schon sitzen, müsste ich mich hinsetzen. Und dann ist da noch Johann, der alles durcheinander gebracht und auf den Kopf gestellt hat. Johann ist 2 Jahre alt und er ist – wie sollte es bei den Eltern auch anders sein – ein super Typ. Mutter zu werden, war vielleicht die größte Zäsur in meinem Leben, ich war nicht darauf vorbereitet, ich hatte keine Ahnung, was 24/7 bedeutet, was permanenter Schlaf-Entzug anrichten kann (trotz Jahren des Techno) und was es heißt, für eine kleinen Menschen zu sorgen und der Mittelpunkt der Welt zu sein, während Hormone und unterschiedlichste, teils unbekannte Gefühle an mir zerren und ich gleichzeitig manchmal zergehe vor Liebe. Mittlerweile bin ich doch viel näher am Wasser als am Wodka gebaut. Aber machen Sie sich keine Sorgen, das hier wird jetzt kein Mutti-Blog, dazu fühle ich mich nicht berufen, auch haben mich die Ambivalenzen der Elternschaft dafür zu stark im Griff.

 

Das Leben hat sich sehr verändert, es ist im Grunde GANZ anders als noch vor ein paar Jahren. Die Frage, die ich mir nach etwas Lektüre der alten Einträge stelle ist, ob ich noch die Selbe bin, wie vor ein paar Jahren. Natürlich bin ich das nicht, aber was bleibt? Wie viel von uns ist fest, wie viel verändert sich und was ist Charakter – abgesehen von dem, was man Wein, Hunden und Käse zuschreibt? Es ist seltsam, denn ich lese die alten Einträge und erinnere mich an Situationen, Sternstunden, kleine Weltuntergänge, großes Kino, mittlere Fettnäpfchen und schwarze Löcher und sehe sowas wie Unbeschwertheit, obwohl ich weiß, dass ich gar nicht so unbeschwert war. Aber mit dem Ernst der bei mir Einzug gehalten hat, war ich vorher einfach nicht in der Tiefe bekannt und manchmal erschreckt mich das und es macht mich auch hin und wieder traurig, dabei habe ich so viel, was ich mir lange gewünscht hatte. Was es nur ist? Wahrscheinlich ist es etwas völliges normales und ich bin jetzt eben doch noch erwachsen geworden? Ich mache sogar eine Steuererklärung und gehe gern nackt baden, ohne mir allzu viele Gedanken um meinen schlaffer werdenden Körper zu machen. Doch nicht alles ist ganz verschwunden: Wenn mich nach dem 2. Gin Tonic jemand fragte, ob ich noch mit in die Renate käme (wenn sie denn geöffnet hätte), so sagte ich bestimmt noch immer „scheiß drauf, los geht’s!“ 

Donnerstag, 23. Juli 2015

Juli 2015 - Zustände, keine Zuständigkeiten.

Juli 2015 - erstaunlich, dass Disco 2000 von Pulp jetzt etwa 20 Jahre alt ist. Das muss man sich mal reinziehen! Und damals erschien das Jahr 2000 noch sehr weit weg und nun, "plötzlich", ist es 15 Jahre später. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber "Biedermeier" wird mit der Zeit immer verständlicher in meinen Augen. Ist das eine gewisse Desillusionierung? War es schon immer "so schlimm" und war ich nur zu jung und zu naiv, um es zu bemerken? In jedem Fall ist augenscheinlich, dass auf dieser Welt alles scheißegal ist, wenn es kein Geld oder keine Macht bringt. Ökologie? Menschenrechte? Freiheit? Harmonie? Frieden? Hinfort damit, wenn es im Weg steht zur Anhäufung von immer mehr Eigentum einer kleinen, feinen, mächtigen Kaste geht. Dafür kann man Verelendung breiter Massen schon auch mal in Kauf nehmen. Griechenland gebeugt und gedemütigt, damit irgendwelche reiche Asseln sich schließlich am Ausverkauf eines Landes eine goldene Nase verdienen können. Flüchtlinge zu Tausenden ausgesperrt, ausgehungert, mindestens fahrlässig in den Tod geschickt, nachdem der ach so menschliche Westen Landstriche, manchmal auch gleich Kontinente jahrhundertelang ausgebeutet und zahlreiche gescheiterte Staaten zurückgelassen hat. Man muss sich nicht wundern über den aufstrebenden Extremismus. Man stelle sich einen Menschen vor, der Anfang der 90er im Irak geboren wurde - dieser Mensch hat sein Leben lang ausschließlich Krieg erlebt - kein Wunder, dass er sich radikalisiert und denen hinterherläuft, die ihm ein besseres Leben (und sei es nach dem Märtyrer-Tod) versprechen. Da müssen wir hier, die die Gnade der Geburt am richtigen Ort ereilt hat, gar nicht überheblich mit dem Kopf schütteln. Noch ist das geographisch alles ziemlich weit weg. Wer weiß, wie lange noch? Und dann erhebt er wieder das Haupt, der hässliche Nationalismus, den vor allem die Deutschen auch historisch gewissermaßen perfektioniert haben, und schreit gegen Flüchtlinge, die uns die Arbeit wegnehmen. Welch willige Sklaven sich der Kapitalismus doch heran zieht; wir sind sogar bereit für eine Arbeit, die wir nicht mal mögen, auf die Straße zu gehen und Schwächere anzugreifen. Alles schön hochgepeitscht von Medien, die schließlich auch ihre Anzeigen verkaufen müssen, so dass fast niemand auch nur auf die Idee kommt, dass der Feind wahrscheinlich gar nicht in Griechenland, im Plattenbau, im Flüchtlingsboot etc. sitzt, sondern viel, viel, viel weiter oben. Politik, das Anhängsel der Wirtschaft. Wenn überhaupt. Das Unwohlsein mit dieser Situation ist in breiteren Gesellschaftsschichten zwar irgendwie angekommen, doch wird das auch als "alternativlos" hingenommen. Alle eingelullt in Belanglosigkeiten auf dieser Insel Europa, die an allen Ecken bröckelt und von innen her verfault. Tjaja. Geld als das ultimative Tauschmittel kann niemand jemals zu viel haben. Warum eigentlich nicht? Warum gibt es keine Obergrenze für Eigentum, die eine Einzelperson oder auch ein Einzelunternehmen anhäufen kann? Warum werden die Mittel nicht umverteilt zugunsten der Schwächeren? Und natürlich, dann kommt der besorgte deutsche Michel, legitimiert von den Seehofers, Gaucks, Gabriels, Merkels, Springers dieses Landes und sagt, das seien linke Spinnereien, die Mittel müssen ja doch erstmal verdient werden und Leistung müsse sich doch bitteschön lohnen. Aber diese "Mittel" sind doch da! Und wer erarbeitet sie denn? Doch sicher nicht die Konzernführungsetagen. Jean Ziegler und Naomi Klein träumen von einer neuen Zivilgesellschaft, die sich gegen diese Ungerechtigkeiten auflehnen wird. Ich sehe sie nicht. Ich. Sehe. Sie. Leider. Nicht.

Montag, 13. Oktober 2014

Los de Bilbao nacemos donde nos da la gana...

...sagt man. Und das heißt so viel wie: Wir aus Bilbao werden geboren, wo wir Lust haben. Ich habe begonnen, Baskisch zu lernen - Euskara in der Landessprache. Als Begründung muss der Titel dieses Eintrags herhalten, außerdem vielleicht mein Herz fürs scheinbar Absurde und die Liebe zu Nischensprachen. Baskisch. Meine Güte, wer kommt nur auf die Idee eine Sprache zu lernen, die von lediglich etwa 800.000 Menschen gesprochen wird und rein gar nichts mit anderen Sprachen zu tun hat, außer einer eigenwilligen Einbürgerung kastilischer Worte, wenn es um neumodische Dinge geht (übrigens "kastilisch" statt "spanisch", um den anderen Sprachen, die im spanischen Staatsgebiet vorkommen, nicht zu nahe zu treten - so weit ist es schon, und das aus gutem Grund!)? Ich natürlich! Ich mag Grammatik, ich bin ein Wort-Fetischist, ich finde es interessant, etwas nicht zu verstehen und versuche, die Unsicherheit besser zu ertragen. Im Baskischen macht man ganz kuriose Sachen mit den Substantiven, z.B. verwendet man einen speziellen Endungszusatz und das bedeutet dann, dass es diese Sache (das Substantiv) nicht gibt, also, dass es nicht vorhanden ist. Über so etwas könnte ich mich wochenlang freuen! Es ist gewitzt und es hat auf eine eigensinnige Art und Weise jede Menge Stil! 

Natürlich sitze ich bei all dem einem kleinen bis mittleren Irrtum auf - fragen Sie nur mal meine Gitarre, mein Skateboard, das Philosophie-Magazin und Prousts 'Auf der Suche nach der verlorenen Zeit'! All diese Dinge um sich herum aufzutürmen und mit bestem Wissen und Gewissen zu behaupten, man werde sich ihrer annehmen, heißt noch lange nicht, dass man das auch wirklich tut. Es ist in etwa so, als würde man ein Motivationsbuch unter sein Kopfkissen legen, um davon auszugehen, dass es damit getan ist, dass die Motivation nun quasi ganz von selber wie der heilige Geist über einen kommen müsse. Nein. Nein! Immer muss man auch etwas tun. Schade eigentlich, andererseits... sind es nicht die Überwindung und die Mühe, die uns wachsen lassen? Ich weiß es nicht, und im Grunde ist es mir auch egal. Genauso egal, wie es mir ist, wo ich geboren bin (wobei Bilbao schon ganz heiß wäre, man isst so unfassbar gut dort und der Atlantik ist sehr nah). Vielleicht geht es mir nur um die Substantive, oder um den überraschten Gesichtsausdruck des Gegenüber, wenn ich sage "Dienstag? Kann ich nicht, da habe ich abends baskisch!". 

In diesem Sinne: Bilbo oso polita da. 

Dienstag, 30. September 2014

Anders als gedacht.

Ich glaube, es war Loriot, der einmal sinngemäß sagte, dass die Komik der Menschen in der Differenz zwischen Fremd- und Selbstwahrnehmung liege. So gesehen, sei jeder Mensch also auch irgendwie komisch. Kennen Sie das, wenn Sie alte Fotos von sich anschauen und laut ausrufen mögen "SO sah ich also aus? Ach du meine Güte!"? Darüber wollte ich jetzt gar nicht schreiben, aber beim Aufräumen eines Laptops stieß ich auf eine Reihe recht alter Fotos und war... sagen wir mal... überrascht. Da ich insgesamt schon länger nichts mehr geschrieben habe, kann ich auch damit anfangen. Damit anfangen und nicht recht wissen, wie weiter machen, denn es ist viel passiert in den den letzten Wochen und Monaten und das hier ist zwar nicht mein Tagebuch, aber irgendwie doch eine Art Logbuch. Fassen wir uns also mal kurz, denn die Realität (die es im Grunde nicht gibt, weil alles eine Frage der Wahrnehmung ist, aber das würde jetzt vielleicht auch zu weit führen) sieht folgendermaßen aus:

+ ein Freund
- ein Job

Das nicht mehr arbeiten müssen, hat den Vorteil, dass man mal wieder ein bisschen Zeit für sich selber hat. Seltsamerweise lese ich kaum und schreibe auch nicht sonderlich viel, im Grunde mache ich fast gar nichts, außer Sport, Menschen treffen, Bier trinken, ausruhen, wobei besonders Letzteres unter Umständen auch einfach dringend notwendig ist. Ich scheine in sehr absehbarer Zukunft eine wahnsinnige Chance an der Jobfront zu bekommen, da werde ich wahrscheinlich alle Kräfte brauchen können, und somit ist es vielleicht schlau, jetzt nicht die Energie zum Fenster rauszuwerfen. Vielleicht entspricht dieses Herunterfahren aber auch einfach meinem Charakter? 

Zum Thema Liebe traue ich mich nicht sonderlich viel zu sagen, nur nicht kaputt-reden! Getreu dem Motto: If it´s not broken, don´t fix it. Es ist gut. Sehr gut sogar! Sicher nicht die Lösung aller Probleme, viel mehr eine neue Quelle für Grübelei und ein fast nicht mehr gekanntes Hinterfragen der eigenen Person, schließlich fallen einem die eigenen angesammelten Verschrobenheiten viel deutlicher auf, wenn sie durch eine Person gespiegelt werden, der man gern gefallen will.

Der Herbst 2014: an allen Fronten Bewegung. 

Dienstag, 20. Mai 2014

It's ok to grow up, just as long as you don't grow old. Face it; you are young.

Man ist nie zu alt, etwas gänzlich Neues zu lernen. Man ist auch nie zu alt, sich das Handgelenk zu brechen, oder sich irgendeine andere absurde Verletzung zuzuziehen. Letzteres sollte einen aber auf gar keinen Fall aufhalten!

Ein nicht zu verachtender Vorteil des Älterwerdens ist, dass man Schritt für Schritt dem Wahn der Jugend entkommt, sich auf gar keinen Fall der Lächerlichkeit preisgeben zu dürfen. Im besten Falle entspannt man sich dahingehend so weit, dass die Triebfeder des eigenen Tuns (abgesehen von den notwendig erscheinenden Sachzwängen, die einem vom Leben ständig aufgeherrscht werden) irgendwann einfach Spaß ist. 

Wir machen also eine Skatekurs. Und wenn ich sage "Skate", meine ich nicht etwa Inline-Skates, das können wir schließlich längst, wenn auch leidlich. Nein, ich meine SKATEBOARD. Ja, Skateboard, das bevorzugte Fortbewegungsmittel cooler, draufgängerischer, später gern schwer tätowierter Jungs mit zweifelhaftem, wenn auch keineswegs schlechtem Musikgeschmack, die durchs Leben flitzen und hier und da wie nebenbei die Herzen kleiner, romantischer Mädchen brechen. Oder eben das beliebteste Gefährt unerschrockener Kinder, und von Letzteren treffen wir eine Menge in unserem Kurs in der Skatehalle in Friedrichshain. Tatsächlich ist die Altersstruktur im Anfängerkurs so, dass das kleinste Kind etwa 5, das größte vielleicht 14 Jahre alt ist. Dann kommt  - abgesehen von unserem Lehrer (sicherlich aus Kategorie 1) ungefähr 20 Jahre nichts und schließlich wir. Wir - glücklicherweise befreit von der Angst vor Lächerlichkeit. Nach etwa 7 Minuten auch befreit von der Angst, krachend auf den Holzboden der Halfpipe zu fallen. 

Die Halfpipe ist übrigens ein interessanter Ort, wo wir uns etwa 90 Minuten aufhalten, um zu lernen, wie man aufs Skateboard aufsteigt, losfährt,  günstigstenfalls stehen bleibt und schließlich wieder abbremst. Des weiteren erfahren wir am eigene Leib, wie man richtig auf die Knie fällt und zur Auflockerung rutschen wir auf dem Hintern von oben die Halfpipe herunter. Es fühlt sich nicht so richtig an wie Sport, der Muskelkater der in den folgenden Tagen den ganzen Körper beherrscht, belehrt uns jedoch eines Besseren. Es muss sich bei diesem ganzen Skaten jedoch um eine geheimnisvolle Sache mit Suchtpotential handeln, denn noch Tage später leuchten unsere Augen beim Gedanken an das Brett auf 4 Rollen, die Schmerzen tragen wir wie Orden an der Brust. 

Am Samstag auf ein Neues! Und bis zum Sommer können wir das hier, halten Sie die Augen offen!

https://www.youtube.com/watch?v=4DXBWzuwsxk

Mittwoch, 12. Februar 2014

Here is a list of maybes.

Wir sind durchlässig. Durchlässig und zerbrechlich. Wir sind "auch nur Menschen", Dinge gehen uns nahe, manche Dinge fressen uns auf, an anderen Dingen wachsen wir. Vielleicht. Ein bisschen zumindest. Nichts ist fest. Alles entwickelt sich, alles ist irgendwie im Fluss, "work in progress". Schwer zu sagen, was dieser sogenannte "progress" eigentlich ist, nichts statisches jedenfalls. Jeder andere Mensch im eigenen wackeligen Gefüge ist ein Unsicherheitsfaktor aber gleichzeitig auch eine gewisse Chance. Man geht ein Stück gemeinsam, und den Rest dann immer wieder allein. Zumindest fühlt es sich regelmäßig so an. Es wird zunehmend schwerer, zu akzeptieren, dass diese Für-Immer-Person nicht einfach irgendwie um die Ecke gebogen kommt. So ganz überzeugt man sich selbst wahrscheinlich nie davon. "Man", also "ich". Im Kommunikationskurs wieder nicht aufgepasst - man soll nicht "man" sagen, wenn man "ich" meint. Ich soll also nicht "man" sagen. Ich soll nicht... Wir kontrollieren gar nichts gänzlich, wenn wir das versuchen, zerschellen wir an der Aufgabe. Zasch. 

Ich halte den Laden, also mich selbst, irgendwie zusammen, befestige alles mit Klebeband und Sicherheitsnadeln, das sieht nicht sonderlich schön aus, aber für den Moment, für die kleinen und mittleren Stürme, bin ich so gewappnet. Es läuft. Doch, wirklich! Wenn ein größerer Sturm kommt, wird das ganze Gebäude wahrscheinlich hinfort geblasen, aber binsenweisheitig heißt es ja eh, dass erst alles in die Brüche gehen muss, bevor etwas Neues entstehen kann. Probleme, loszulassen - nicht "man", sondern ich. Ein teuflischer Zirkel, wie es bei Sartre so schön heißt. Irgendwas. kann. jeder. nicht. 

Die Gedanken fliegen mir zu und dann sind sie wieder weg. Bei Olympia wieder den Eiskunstlauf verpasst, hier nicht angerufen, den Geburtstag von soundso vergessen, Winterschwere in den Beinen und noch irgendwo. Politik. Nicht zu lange drüber nachdenken, dass man nichts NICHTS im großen Gefüge ändern kann. Ausbeutung hier, Umweltzerstörung da, Bankenmacht, mediale Verblendung, Aufstände, Diskriminierung, Grausamkeiten, Lobbyscheiße, aufgeblasene Belanglosigkeiten. Es wird zu viel, biep, biiiiieeeeeppppp... Overload. Kleines Glück. Festhalten. Weitermachen. Don´t cry. Work! 

Dienstag, 14. Januar 2014

Keep Yourself Warm.

Die Stadt ist voller Male und Narben. Weißt Du noch, hier, wie Du im Dunkeln nachts durch den Park eiltest und dachtest, Dein letztes Stündlein hätte geschlagen. Und dann kamst Du auf der anderen Seite raus, hysterisch lachend und froh über die letzte Zigarette im Päckchen? Oder da, das Treffen auf dem Pier mit Sonnenuntergang und Mücken und Rotwein und Herzklopfen? Immer einfach mal loslaufen und schauen, was passiert, denn irgendetwas passiert immer! Den Kopf auf den Tresen legen, Runden auf dem Flugfeld drehen, harte Türpolitik und drinnen nicht verstehen, wie das vor sich geht. Tanzen! Immer wieder tanzen! Und abtrinken, nachfüllen, rumstehen, schauen, wortlos verstehen. Ja, warum denn nicht? Hat doch niemand was anderes gesagt. Nech? NECH? Weißt Du noch dort, die Tränen an der Ampel, in der Ringbahn, unterm Couchtisch, am Müggelsee? Dieses fortwährende Umfallen und dann immer wieder aufstehen müssen, man stirbt ja nicht dran, nicht? Und da hinten, Einsamkeit in Halensee, Aufwachen im Westend, die Tasche leer, die Schnauze voll. Dann schneit es Glitzer und später schwarze Federn. Oder dort, Frisbee spielen im Treptower Park, Pathos am Ehrenmal, die Füße in der Spree, Bier und Gelächter auf der Insel der Jugend oder einem beliebigen Spielplatz. Schaukeln. Hüpfen. Rutschen. Und Kippen, immer wieder Kippen mit Gesprächen über diese sogenannte Welt, die Du nicht verstehst, aus der Du nicht raus kannst, Dich aber auch nur selten richtig drin fühlst. Und da, durch den Wald auf die Stehplätze gehetzt, Heimsieg, Unentschieden, Niederlage, auf ein schnelles in die Abseitsfalle. "Ein Schnelles", das dann meistens zwei Langsame sind. Euphorie. Anflüge von Verzweiflung. Kurz nachgeben, seufzen. Gleichgültigkeit. Tag-Nacht-Tag-Nacht. Dich ständig selber austricksen. Auf dem Balkon sitzen, die Füße auf der Brüstung, Nutella mit dem Löffel aus dem Glas, Ketterauchen und Greyhounds. Meistens zu viel oder eben zu wenig. Die Sache mit dem richtigen Maß, die Dich straucheln lässt.

Du hängst den Stadtplan auf und kennzeichnest Orte mit roten, weißen, blauen, schwarzen Klebepunkten, manchmal alle am gleichen Ort. Wer weniger fühlt, hat mehr Zeit zum Denken, das ist nicht zu verachten. Dennoch: To be alive at all is to have scars.

Freitag, 27. September 2013

Eintragung ins Nichts.

Herbst! ...und das Leben hastet wieder von einem Ereignis zum nächsten - man kommt fast nicht mit. Ich weiß nicht genau, ob es eine Frage des Alters, der erlittenen Niederlagen und Rückschläge oder einfach nur des Charakters ist, jedenfalls fällt es mir besonders in den guten Momenten sehr, sehr schwer, nicht auch mit (mindestens) einem Auge misstrauisch nach der versteckten Kamera zu suchen. 

Es ist also so, dass sich ein paar Dinge wirklich gut entwickelt haben, namentlich vor allem ein neuer Job und ich habe (um es mit Andy Möller zu sagen) "vom Feeling her ein gutes Gefühl" bei der Sache, ich glaube nämlich, dass die Stelle und ich ausgesprochen gut zueinander passen. Ganz generell kann man wahrscheinlich sagen, dass sich in meinem Leben "die Dinge" oft sehr positiv fügen, nicht selten vor allem dann, wenn ich es am wenigsten erwarte. Selbst, wenn die Umstände eher schlecht sind, ist zumindest das Timing meistens ganz gut, es gibt gewissermaßen also durchaus Grund zu der Annahme, ich sei ein ziemliches Glückskind. Das Problem ist: Ich glaube es einfach nicht, vertraue auch dem Gefühl nicht richtig, weil ich immer erwarte, dass das dicke Ende sicher nur ein paar Meter entfernt sein kann, was wiederum historisch noch nicht einmal belegt ist. Kurios. Also doch eine Charakterfrage? Andererseits, was ist schon Charakter? Hunde, Weine und Käse haben Charakter. So gesehen, gehen wir mal davon aus, ich habe gar keinen.

Was bleibt also, einmal befreit von der Bürde der Annahme eines Charakters und jeder in seiner Blase sitzend? "Man muss nur die Nerven behalten, schon löst sich alles wie von selbst." Glauben Sie mir, ich mache schließlich mit bei dieser Sisyphosarbeit, nicht zu verbittern, und es stimmt - (spätestens) zuletzt findet sich immer eine Normalität, mit der man leben lernt. 

Mittwoch, 11. September 2013

So seltsam durch die Nacht.

Es war natürlich im Grunde nur eine Frage der Zeit, bis ich wirklich richtig auf Gisbert zu Knyphausen kommen würde. Nun ist es also so weit: Gisbert und nebenher ein paar Seiten Miller / Herrndorf / Bukowski / Goetz. Zur Abwechslung ab und an mal Midlake hören, die neue Babyshambles oder Bon Iver. Dazu Kapuzenwetter, alles atmet bereits Ende, da muss man nicht mal genau hinschauen. Wir kennen das ja und wir wissen auch, was es bedeutet, machen wir uns keine Illusionen. Wissen Sie, welcher Gedanke mich seit geraumer Zeit umtreibt? Natürlich wissen Sie es nicht, wie auch? Also, ich kam darauf, als ich mich im letzten Winter mit Rocko Schamoni beschäftigte und mir im Rahmen dessen mehrfach dieses "Zimmer Frei" mit ihm ansah, bei dem Christine Westermann, von der ich gewöhnlich ziemlich viel halte, eben nicht schnallt, was er meint mit dieser Traurigkeit, mit dem dunklen Element, mit den schwarzen Vögeln. Fast hätte ich gesagt "Sie wissen schon?", aber vielleicht wissen Sie es (wie Christine W.) eben auch einfach nicht? Man geht immer von sich selbst aus, das ist nur natürlich, und es braucht schon eine gehörige Menge Empathie, um einen anderen Standpunkt nachvollziehen zu können. Vielleicht ist das in Gänze auch gar nicht möglich, aber allein der Versuch ist aller Ehren wert.   

Wie dem auch sei. Es wird (bzw. ist?) also Herbst und "die Dinge" sind auf eine Art und Weise in Bewegung geraten, die ich bis dato so ziemlich unter traumhaft verbuchen würde. Das alles hat nichts mit Romantik zu tun, es handelt sich also (mal) nicht um diesen Quickfix für schlichte Gemüter - wollen wir ihn einfach Liebe nennen. Selten lag in dieser Zeit, kurz vor den hochgeschlagenen Mantelkrägen, in meiner Welt mehr Hoffnung. Und all das trotz Gisbert. Ziehen Sie sich das mal rein!  

Freitag, 19. Juli 2013

Summer - the unfulfilled promise of spring?

Können Sie sich noch an Ihre Kindheit erinnern, als die Sommer unendlich und die Winter schneereich waren? Ist das eine Illusion, die man dem Zahn der Zeit zurechnen muss? Erscheint es nicht im Herbst immer so, als hätte man maximal die Hälfte der Dinge getan, die man sich noch im Frühling für den Sommer, den alten Scharlatan, vorgenommen hatte? Nun, im Augenblick will ich mich nicht beschweren, denn sie ist da und überraschend stabil: Die Zeit der lauen Sommerabende, an denen man bis ganz zum Schluss und maximal am Ende mit einem leichten Frösteln ohne Jacke draußen sitzt und im besten Fall Bier trinkt, gute Gespräche führt und Zigaretten raucht (seit der Fusion drehe ich mit meinen "krummen Pfoten" (wie mein liebenswerter älterer Bruder sagen würde) übrigens selbst und habe seitdem noch mehr(!) Spaß am Rauchen).

An einem dieser lauen Sommerabende renne ich also nach Hause, um mich ein letztes Mal in die Arme von Amory Blaine zu werfen und meinen Kopf in seiner Schulter zu bergen. Naja, das Rennen muss man vielleicht doch auch dem Umstand zuschreiben, dass ich ausgereizt habe und dringend "mal muss" (worum ich Männer in diesem Zusammenhang beneide, habe ich ja an anderer Stelle schon einmal festgehalten), aber was mich wirklich nach Hause zieht, sind Amory Blaine, mein Sofa und Midlake. Fitzgerald gelang in meinen Augen ja immer wieder das Kunststück, auf den ersten Blick wenig sympathische Charaktere so zu beschreiben und zu erklären, dass man sie nach ein paar Seiten versteht und bei Identifikation mit einigen ihrer Züge auch ins Herz schließt. Als ich meine Schlafenszeit überspanne und "This Side Of Paradise" schließlich ausgelesen habe, fühle ich mich literarisch verwaist, gleichzeitig erkannt und um einen imaginären Freund reicher.

"I'm not sentimental - I'm as romantic as you are. The idea, you know, is that the sentimental person thinks things will last - the romantic person has a desperate confidence that they won't."

Freitag, 12. Juli 2013

Love Is A Dog From Hell

Sie werden (vielleicht) lachen; ich habe mir eine Ausgabe von Charles Bukowskis Gedichtband "Love Is A Dog From Hell" gekauft und finde sie natürlich ganz wunderbar. Wahrscheinlich muss man für Bukowski irgendwann bereit sein, ich habe nicht das Gefühl, ich hätte ihn gesucht, sondern vielmehr ist er im passenden Moment zu mir gekommen. Ich kann nicht sagen, ob das gut oder schlecht ist, genauso wenig wie ich sagen kann, ob dieser "passende Moment" ein Höhe- oder Tiefpunkt ist, es kann sich auch einfach nur um einen weiteren Augenblick des Transits handeln - wie meistens also. Wie scheinbar das ganze sogenannte Leben also. Und das Analysieren ist natürlich müßig bis nervtötend, aber man entscheidet sich selten bewusst dafür, dass eine Zeit des Grübelns angebrochen ist. "Love Is A Dog From Hell" hat es jedenfalls bis in mein Schlafzimmer geschafft, was kaum je einem Buch gelingt, weil ich gewöhnlich nie im Bett, sondern immer auf dem Sofa lese. Das kann einfach daran liegen, dass es sich um Gedichte handelt, von denen man auch schnell mal 2-3 liegend in den Schlafpausen der Unruhe liest, oder daran, dass die natürliche Habitat dieses Buches eben das Bett ist. Bleibt die Hoffnung, dass sie helfen im Kampf gegen diese Müdigkeit, die mich umtreibt, kurioserweise wachhält und nicht einfach mit Schlaf und The National zu besiegen ist. 

"If there are junk yards in hell, love is the dog that guards the gates."

Donnerstag, 4. Juli 2013

Emo-Kater strikes again.

John Steinbeck (Wer auch sonst? Außer vielleicht Fitzgerald oder Faulkner oder de Beauvoir oder Roth... naja, Sie wissen schon: der Scheinintellekt.) hat mal die wunderbaren Sätze aufgeschrieben: "I have always lived violently, drunk hugely, eaten too much or not at all, slept around the clock or missed two nights of sleeping, worked too hard and too long in glory, or slobbed for a time in utter laziness. I've lifted, pulled, chopped, climbed, made love with joy and taken my hangovers as a consequence, not as a punishment.", die ich immer wieder gern zitiere. Die ich immer wieder gern zitiere, und die ich mir vor allem auch ab und an selber sagen muss, um in Momenten der massiven Emo-Verkaterung nicht allzu lang über Kohlenmonoxid nachzudenken. 

Massive Emo-Verkaterung, Tag X. Wir fahren also zur Fusion. Man muss auch mal was Neues machen. Ich würde sicher nicht soweit gehen zu sagen, es gäbe ein Leben vor der Fusion und eins danach, aber es war schon anders und besonders, vor allem nämlich besonders schön. Und wenn es dann vorbei geht und man irgendwie doch froh ist, wieder zu Hause zu sein, später jedoch vor Erschöpfung nicht in den Schlaf findet, kommen einem die seltsamsten Gedanken, manche davon tröstlich, andere eher weniger. Bleiben wir bei den Guten, warum auch nicht? Vielleicht gibt es Menschen, die bis an ihre Grenzen ran und dann wissentlich darüber hinaus gehen müssen, um irgendetwas zu fühlen, sich selbst zum Beispiel. Und vielleicht bekommt man die ganz bunten Stunden nur, wenn man auch die eine oder andere (oder 96) schwarze in Kauf nimmt, und das ist es dann wahrscheinlich auch wert, wenn man nur feststellen kann, dass doch alles da und alles gut ist. Man vergisst das manchmal. Schließlich - wenn der Kater sich langsam vom Acker macht - ist es so simpel: Überleben heißt einfach nur, immer wieder von vorn anzufangen.

Donnerstag, 25. April 2013

Man muss etwas tun.

Die Angst vor dem leeren Blatt Papier. Wobei das heutzutage meistens ja nur noch im übertragenen Sinne ein solches ist. Die Angst vor dem leeren Bildschirm, die Finger zitternd auf der Tastatur eben. Ich schreibe seit jeher Dinge auf, um den Verstand nicht zu verlieren - wahrscheinlich ähnlich, wie man via Unterbewusstsein das Geschehene in Träumen verarbeitet, archiviere ich in diversen Tagebüchern, Heften, Zettlblöcken und modernerweise sogar auf dem Computer die Vorkommnise, bemühe ich mich um Einordnung, alles dem Zweck unterworfen, für mich selber den Überblick nicht zu verlieren. Ich weiß nicht, ob ich derzeit unkonzentrierter bin, oder ob einfach zu viel passiert, jedenfalls habe ich das Gefühl, nicht mehr richtig nachzukommen. Ständig sieht man sich genötigt, zu irgendeinem Thema Stellung beziehen zu müssen, dabei ist es schwer im allgemeinen Geschrei den Unterschied zwischen Meinung und Information zu erkennen. Wen es überrascht, das "Leute wie" Uli Hoeneß Steuern hinterziehen und Mario Götze das mit der "echten Liebe" dann doch nicht so ernst nimmt (was übrigens 2 ziemlich verschiedene Paar Schuhe sind), den erstaunt es auch, dass im Radsport gedopt wird. Vielleicht wäre es angenehm, wenn man zurückkehren könnte an eben diesen Punkt der Naivität, aber die Möglichkeit ist verbaut, der Verlust auch der geistigen Unschuld ist nicht umkehrbar und höchstwahrscheinlich nicht einmal wünschenswert. Und dabei ist es mindestens kurzsichtig wenn nicht fahrlässig "die Regeln des Spiels" (und ich rede nicht (nur) von Fußball) mit den wässrigen Maßstäben einer bürgerlichen Moral zu bewerten. Wenn das oberste systemische (jaja, ich weiß, dass ich nicht "System" sagen soll) Ziel die Mehrung von Profiten ist, dann kann man niemandem verübeln, wenn biegsame Regeln überspannt und umgangen werden. Brecht fasste das so schön mit "Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral" zusammen. Dem ist wenig hinzuzufügen. 

Was bleibt? Die Flucht ins Private ist eine Krücke, die nicht lange halten wird, aber dennoch ist es die einzige vorerst erreichbare Bastion. Dort zu Hause sind im besten Falle Fantasie und Humor, Galgenhumor vielleicht, aber das ist besser als nichts. Wir gehen in die Schaubühne und sehen "Soll mir lieber Goya den Schlaf rauben als irgendein Arschloch" von Rodrigo García, diese herrliche Mischung aus Inhalt und Trash. Schauen Sie sich das ruhig noch an, bevor Lars Eidinger zu groß und das Stück abgesetzt ist:
 
"Man muss etwas tun! Ohne an die Konsequenzen zu denken. Beim Menschen ist die Fähigkeit vorauszudenken sowieso so schlecht entwickelt; das ist eigentlich nichts anderes als ein Berg abgelagerter Vorurteile, da könnte man glatt ne neue Wissenschaft dazu erfinden: die psychologische Geologie würde ich das nennen... Vertrauenswürdiger jedenfalls ist der Instinkt."
 
Etwas tun also. Mit Sinn und Verstand, wenn möglich, was man in unserem Fall aber nicht mit "vernünftig" verwechseln sollte.

Freitag, 19. April 2013

Time is a jet-plane.

Es wird nun also doch mal Frühling! Der freundliche Mann in der Apotheke bestätigte mir heute Morgen mit einem mitleidigen Blick, was ich eh längst wusste: "Das Heuschnupfenmittel wird Sie müde machen." Seitdem bin ich jetzt noch fertiger, als gewöhnlich, insofern das überhaupt geht. Fertig und uninspiriert. So ist das ja oft, sobald man eine (im besten Fall professionelle) Bestätigung von Außen erhält - zack - bekommt eine Sache gleich viel mehr Hand und Fuß, wird also gewissermaßen real. Gerade in der Woche, in der LSD 70 Jahre alt geworden ist, kann man sich trotzdem ruhig einmal fragen, was das überhaupt ist, diese sogenannte Realität, wahrscheinlich nämlich doch etwas eher subjektives. In der 5. Staffel von Mad Men gibt es diese wunderbare Folge, in der Roger und Jane auf Acid sind ("Far Away Places", Staffel 5, Folge 6) und Jane irgendwann verwundert fragt, wie es sein kann, dass ein paar Zahlen die ganze Zeit beinhalten. Gar keine so schlechte Frage, denn was ist schon die Zeit anderes als eine Illusion, wenn man die Vergangenheit eh nicht noch einmal erleben kann und die Zukunft stets ungewiss ist, dann bleibt uns ja doch "nur" das Jetzt. 
Und nun im Frühling wird ja bekanntermaßen auch immer ein bisschen was neu, wobei es mich allein schon erleichtert, nicht mehr permanent zu frieren, auch wenn das heißt, in der Pollenzeit ständig müde zu sein. Für zu Hause ist die 6. Mad Men Staffel angelaufen und The National kommen demnächst mit einem neuen Album um die Ecke, ich beginne mich aufs Neue für die alten Trinker F. Scott Fitzgerald und Charles Bukowski zu begeistern und Mitte dieser Woche eröffneten wir endlich die Grillsaison auf meinem Balkon. Bowle ist der neue Erdbeer-Daiquiri. Mark my words!  

Donnerstag, 28. März 2013

Fade Away.

Die Mutter eines sehr guten Freundes liegt im Sterben. Es handelt sich nur noch um Tage, vielleicht Wochen. Es war abzusehen, sie hat schon viel länger und in besserem Zustand "durchgehalten" als die Ärzte erwartet und vorhergesagt hatten. Und natürlich ist es der Lauf der Dinge, dass Menschen sterben (darüber wie furchtbar es wäre, unsterblich zu sein, habe ich mich an anderer Stelle schon einmal ausgelassen), und wenn alles seinen Gang geht, dann sind die Eltern vor den Kindern dran. Aber diese Betrachtung des Großen und Ganzen kann vielleicht später als Trost herhalten, jetzt sind es lediglich Worte und noch mehr Worte. Ich kann selbstverständlich nichts tun. Nur zuhören, wenn das überhaupt hilft. Nicht mal Schnaps kann ich anbieten ("denn wo Kummer ist, ist auch Likör"), dafür bin ich räumlich einfach viel zu weit weg. Er sagt, es sei ein seltsames Gefühl: Einerseits wolle er natürlich nicht, dass sie stirbt, andererseits wünscht er sich manchmal, es sei schon vorbei, all das Leiden und Warten. Sie ist seine Mutter, sie war schon immer da, aber die Krankheit hat sie konsumiert; sie ist wie eine batteriebetriebene Lampe, die langsam immer schwächer leuchtet und schließlich erlischt.

Und da sitzt man nun, heult ein bisschen und fühlt sich stellvertretend wie gelähmt. Dann wieder diese alten Gedanken über alle Endlichkeit. "Das Leben ist zu kurz..." heißt es immer - zu kurz wofür? Zu kurz für nicht erfüllende Jobs und Beziehungen, zu kurz für schlechte Musik, zu kurz für unterirdische Laune, zu kurz fürs Hadern, wollen und doch nicht können? Wir messen unser Unglück meistens am Glück der Anderen, doch darum geht es vielleicht gar nicht. Worum also? 

Einsehen. zum. Schluss. dass. man. weitermachen. muss. 

Montag, 11. März 2013

I had a secret meeting in the basement of my brain.

Der Winter, der nicht weichen will und The National. Eine dunkle Kombination. Seitdem ich in Berlin lebe, habe ich jedes Jahr aufs Neue das Gefühl, dass ich mir den Frühling hart und ehrlich verdient, ja geradezu erkämpft habe. So auch dieses Jahr. 

- und dann war sie kurz übermütig geworden, verführt von einer Woche schönen Wetters, einem Leuchten folgend, das sich als Irrlicht herauszustellen scheint. Same same.

Jeder tut, was er kann, whatever gets you through the night, it´s alright (ya know?). Den Kopf wieder runter, eine Unruhe im Körper; ich weiß nicht, bin ich auf der Jagd oder auf der Flucht? Diese Leere füllen mit Büchern, Freunden, Schnaps, Kippen, Bundesligakonferenz und Marx. Nicht die schlechteste Lösung, wobei das natürlich keine "Lösung" im engeren Sinne ist. Direkte Zusammenhänge zwischen Wut, Angst, Frustration und Dunkelheit werden erkannt, weil sie bekannt sind. Es ist immer das Gleiche, es handelt sich nicht um höhere Physik, dies ist kein Raumschiff, es ist nur das kleine Einmaleins der alten Verzagtheit und Unsicherheit, ein Rad also. Immer im Kreis. Sie brauchen sich nicht anzuschnallen, Sie kennen das schon.

Ich lese "Sternstunden der Bedeutungslosigkeit" von Rocko Schamoni und fühle mich teilweise geradezu ertappt. Wenn man sich "so" fühlt, dann kann man nicht wirklich was machen, dann hält man es eben aus und kompensiert die kleine Traurigkeit im besten Fall mit Humor. Es könnte schlimmer, aber das könnte es ja immer, nicht wahr? 


Donnerstag, 14. Februar 2013

All you need is love?

Valentinstag - hatten Sie das bemerkt? Sicherlich! Ich meine, man kommt ja nicht daran vorbei; selbst wenn man wollte, es sei denn, man lässt Internet, Fernsehen und Radio ausgeschaltet und geht mit geschlossenen Augen durch die Welt. Jedoch: Wer kann sich das schon leisten? Und natürlich ist es ein Fest des Einzelhandels, eine Hure des omnipräsenten Kommerzes, ein Teil der Schlinge um unser aller Hals; da sollte ich wütend drüber schreiben - so als (gefühlte) Abziehbildkommunistin meine ich, aber nein! Nein, weil es doch per se immer (also  i m m e r!)  gut und richtig ist, zu feiern. Und wenn es dann noch die Liebe zu feiern gilt erst recht!

Die Liebe... die Liebe, jaja. Jetzt, wo ich irgendwie doch schon so mittelalt bin, beginne ich das zu fühlen, was ich schon länger verstanden hatte, aber da gibt es ja diesen Graben zwischen Denken und Fühlen, über den hinweg man oft wenig bis gar nicht klar sieht: Die Liebe ist eine gute Sache, doch sie ist eben nicht beschränkt auf dieses gesellschaftliche Junge-trifft-Mädchen-Konstrukt der romantischen Art. Das soll nichts heißen, hoch sollen sie leben, all die glücklich Verliebten, die Tisch, Bett, Freuden, Sorgen und Küsse teilen, es ist ja auch eine ganz wunderbare Sache! Manchmal vielleicht sogar von Dauer, manchmal aber auch nicht und nicht wenige werden im Pärchenmodus sogar zu einer schwächeren Version ihrer selbst, was dann wiederum nichts mehr mit der Liebe, wie wir sie uns wünschen, zu tun hat.

Aber keine Sorge; selbst wenn man sich im emotionsärmeren Raum befindet, kann man immer noch lieben, und vor allem muss man sich zuvorderst erstmal nur um sich selbst kümmern, und damit kann man dann auch gleich anfangen: Eigenliebe - der Anfang einer endlosen Romanze. Wem das nicht genügt: Familie, Freunde, Theater, Musik, Bücher, Filme, Union Berlin, Hund, Katze, Wälder, Schnaps, Sex, gutes Essen, eine Stadt und noch eine, Sonnenunter und -aufgänge, das Meer usw. usf. (und dabei war ich jetzt noch nicht mal sonderlich einfallsreich). Was ich sagen will? Wer allein ist, muss noch lange nicht einsam sein - ganz im Gegenteil. Oft ist es ja so, dass man seinen sozialen Kontakten viel besser gerecht wird, wenn man sich nicht hauptsächlich um eine Person kümmert. Und bloß weil man nicht ins vorgefertigte Schema von Vati, Mutti, Kind passt, ist man vielleicht ein kleiner Rebell, weil man sich eben nicht geschlagen gibt und an irgendeinem Punkt die Waffen (und die Selbstachtung) streckt, nur um nicht allein zu sein, aber noch lange kein Versager!

Wie dem auch sei. Frohen Valentinstag und hoch die Tassen: AUF DIE LIEBE! ...unter Umständen nämlich doch "die größte unter ihnen."

Montag, 28. Januar 2013

You Are A Tourist.

Ich war nun knapp 3 Wochen nicht im Büro sondern in der Nasennebenhölle. Im Rahmen meiner Rückkehr "an die Stanze" fühle ich mich jetzt ein wenig wie ein Tourist. Obgleich unheimlich viel zu tun ist, habe ich den kuriosen und nicht gerade unangenehmen Eindruck, als ginge mich das alles nur sehr am Rande etwas an. Ich bin sicherlich eine wenig vorbildliche Angestellte, was dann wiederum gar nicht so schlecht in mein Selbstbild passt.

Jede Erinnerung an Fieber in meinem sogenannten Erwachsenenleben ist schemen- und albtraumhaft in meinem Gedächtnis verankert, so auch jetzt: Also liegen. Hauptsächlich liegen und ab und an aufstöhnen in einem undurchdringlichen Einheitsbrei aus Dampf- und Erkältungsbädern, Schüttelfrost und dem Verlust des Geruchs- und (damit einhergehend) Geschmacksinnes. Dazu Tee. Viel zu viel Tee, den man eh nicht schmeckt und Wick VapoRub, das man eh nicht riecht. Man (also ich) hat eine irgendwie romantisierte Vorstellung vom Kranksein; denkt, dann bliebe Zeit zum lesen, schreiben, aufräumen, nachdenken, aufholen, ausruhen. Falsch. Zunächst geht nämlich in meinem Fall wenig bis gar nichts und das ist dann noch nicht mal erholsam. Irgendwann dann fernsehen, was aber für die geistige Gesundheit nicht ganz ungefährlich ist. Da "lohnen" sich am ehesten noch die Dritten mit tagsüber irgendwie interessanten (wenn schon nicht mitreißenden) Dokumentationen über Igel, Wölfe in der Lausitz, den Böhmerwald oder die Inuit und abends... nunja, da läuft meistens irgendwo ein alter Tatort oder Sport.

So vergehen also die Tage grau und gleich, einer nach dem anderen. Konfetti im Haferbrei: Ich bekomme freundliche Krankenbesuche und denke unter dem Handtuch den Kopf im Dampfbad über Dinge wie Demut nach - das Erkennen und Akzeptieren der eigenen Winzigkeit. Ein großes Thema für einen beschränkten Geist, ich weiß. Ohne Sport nehme ich ein paar Kilo ab und nie war der alkoholfreie Januar leichter zu bewältigen als dieses Jahr, fast fühle ich mich ein bisschen, als hätte ich geschummelt. Irgendwann, als es schon besser wird, gehe ich mit J. ins DT zu "Fahr zur Hölle, Ingo Sachs!", einem Actionmusical (sie nennen das wirklich so) von Studio Braun, und es ist leicht, unterhaltsam, lustig, absurd und skurril - also genau das Richtige, um zurück ins Leben zu finden, denn wenn man nicht so richtig an eben diesem Leben teilnehmen kann, weil es einfach nicht geht, dann schätzt man es nach der Genesung umso mehr.

Was würde Henry Miller sagen? Wahrscheinlich vergisst man das einfach manchmal... 

"Develop an interest in life as you see it; the people, things, literature, music - the world is so rich, simply throbbing with rich treasures, beautiful souls and interesting people. Forget yourself."

Sonntag, 6. Januar 2013

Treat your body like a temple - once again.

So this is the new year, I don´t feel any different. Möchte man meinen, könnte man denken, aber HALT! Natürlich ändert sich zunächst einmal nichts, wenn aus einem alten Jahr ein Neues wird. Mittlerweile bin ich ja lange genug dabei, um zu wissen, dass man Vorsätze fasst, nur um sie im Anschluss über kurz oder lang in schönster (In)Konsequenz zu brechen. Im Grunde ist das aber auch nicht weiter schlimm, solange man den eigenen "Fehler" erkennt, hat man immerhin den ersten Schritt schon getan. Und irgendwie ist ja auch eine schöne Tradition, wenn man sich mal wieder aufmacht, tapfer gegen die eigenen Windmühlen zu kämpfen. Das spricht für das Stück unkaputtbaren Charakter, das da irgendwo sein muss, nicht wahr? Oder für den eigenen Irrsinn?

Man begeht den Jahreswechsel also im Kreise einiger der Liebsten und Allerbesten, was dafür sorgt, dass die Vergangenheit die Gegenwart zwar immer noch hinterrücks kurz überfällt, die Verluste aber minimal bleiben. Direkt in der KW1 schon scheint der vergangene Dezember unendlich weit weg. Es wird nun scheinbar bis März gar nicht mehr hell und im Büro... ja, im Büro. Was soll man dazu auch sagen, ohne sofort vor Langeweile einzuschlafen? "Privat" ist der Januar traditionell der Monat, in dem ich mich wieder am gesunden Leben probiere, will heißen: Kein Alkohol, was dazu führt, dass auch wenig geraucht (Gesellschaftstrinker und -raucher sind ja sowieso die Besten) und besser geschlafen wird. Darüber hinaus Sport - oder was ich dafür halte. Was soll ich sagen? Es läuft sehr gut und ist auch gar nicht so schwer. Das gibt so etwas wie Schwung für die Aufgaben, die vor mir liegen, denn dass das sogenannte Glück nicht von Außen kommt, sondern irgendwo in einem selbst wohnen muss, ist ja eine Binsenweisheit, aber die Suche danach muss man doch selbst in die Hand nehmen. Natürlich ist das für jeden etwas Anderes. Dass nicht alle Menschen gleich funktionieren, fand ich zunächst schockierend, dann wiederrum aber auch logisch, andernfalls würden wir ja alle in Berlin leben und uns für verkannte Genies halten oder 8000er erklettern, was in etwa dasselbe ist. 

Neulich dachte ich, dass die angenehmsten Menschen, die sind, die am wenigsten Anerkennung von Außen brauchen. Auch für sich selbst. Aber no man is an island, also schreibe ich die Dinge ans innere Whiteboard, von denen ich glaube, dass sie mich zufrieden machen könnten. Siehe da, es handelt sich nicht um gar so viele und die meisten sind sogar schon da. Den Rest werde ich mich bemühen, anzugehen, denn es ist sicher keine Schande, zu stolpern, eine Schande wird es dann, wenn man den Stein ins Herz schließt. In diesem Sinne: Never mind the darkness, baby, you will be saved by rock'n roll.

http://www.youtube.com/watch?v=sb8Hvz8bjas

Samstag, 29. Dezember 2012

Everything will flow.

2012. Ich habe jetzt 5 mal angefangen, und es bleibt die Frage, ob ich überhaupt resümieren soll und will, wahrscheinlich nämlich eher nicht. Es ist schon so, dass ich das Gefühl habe, immer weniger zu verstehen, je mehr ich weiß, denn dieses Wissen ist doch nur Stückwerk, es ergibt keinen rechten Sinn, je mehr Stücke auftauchen, desto verwirrender wird es doch.

Ich glaube, der große Wurf liegt mir nicht, dann lieber eine lose Detailbetrachtung aus den letzten Tagen des Jahres. Weihnachten. Welch' Grauen vorher, welch' Freude währenddessen und wie viel guter Schlaf, unendlich leckeres Essen und Ruhe. Ruhe! Endlich! Auf dem Zahnfleisch in den Urlaub gekrochen, in jeder Hinsicht. Die Novemberpest, die sich in den Bronchien festgekrallt hatte, das Schlafdefizit, die Ellenbogen, der Unglauben, das ständige Aufstehen gefolgt vom ständigen Umfallen, gefletschte Zähne, kalte Füße, Schulterzucken. Ich weiß nicht, wie das manchmal funktioniert, aber der Küchentisch meiner Eltern hat magische Kräfte. Mein Bruder macht freiwillig den Abwasch und wo andere Leute - keine Ahung, was machen die an Heiligabend? - wir machen jedenfalls nach der sogenannten Bescherung den "Nostalgie-Fragebogen" in Der Freitag und streiten uns kurz zum Thema Israel und Palästina. Dann spielen wir Rommé. In der Folge treffe ich noch mehr Menschen, die ich sehr mag. Es ist alles nicht schlimm, ganz im Gegenteil, was hatte ich eigentlich erwartet? Die Geschwindigkeit ist eine andere als sonst, alles fließt in ruhigen, harmonischen Bahnen dahin, mir fällt wieder ein, dass ich "zwischen den Jahren" liebe. Und dann fahre ich 3kg schwerer zurück nach Berlin und frage mich (jedes Jahr aufs Neue übrigens), wie das für Menschen, die den Krieg noch erlebt haben, eigentlich sein muss, wenn zum Jahresende diese furchtbare Knallerei losgeht. Ich habe nichts erlebt, nur diese bunte, schreckhafte Fantasie und stelle es mir grausam vor. 

Aber dann macht mich insgesamt irgendetwas seltsam vergnügt und zuversichtlich, wenn ich an 2013 denke. Ich kann nicht sagen, was das ist, aber neulich erhielt ich eine Mail (kein Spam) mit der Betreffzeile "Du hast gewonnen". Oh man, ich hatte es fast vergessen! Wie konnte das passieren? Die wilde 2013, ich glaube wirklich, da geht noch was!